Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 19.10.2017


Bezirk Kufstein

Im Pflegeeinsatz für einmaliges Naturjuwel

Das Wörgler Feuchtbiotop Filz lässt die Bevölkerung nicht kalt. Jährlich finden sich Freiwillige für den Einsatz bei der Herbstmahd.

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© Spielbichler



Wörgl – Nebelschleier lagen über dem Wörgler Feuchtbiotop Filz und verliehen dem Naturjuwel eine mystische Atmosphäre, als eine große Schar freiwilliger Helfer mit Gummistiefeln und Rechen anrückten, um das Schnittgut für den Abtransport auf die Reihe zu bringen. Die Volkshilfe Wörgl mit Werkbank und Beta bewerkstelligte dann den schweißtreibenden Abtransport mittels Planen, die mithilfe des Maschinenringes mit Traktor und Seilwinde aus der Feuchtwiese sowie aus dem Moor gezogen wurden.

Die jährliche Pflegemahd im Herbst gehört zum Pflegeplan für das rund fünf Hektar große Schutzgebiet. „Damit verhindern wir einen Nährstoffeintrag und schaffen die Basis für den Erhalt vieler seltener Arten“, erklärt der Schutzgebietsbeauftragte Philipp Larch, der sich bei allen Helfern herzlich bedankt. Die Filz gilt tirolweit als Vorzeigeprojekt – wegen ihres biologischen Artenreichtums ebenso wie wegen ihrer Verankerung in der Bevölkerung, die mithilft, diese wertvolle ökologische Insel mit Feuchtwiese, Teichen und Moor zu erhalten.

Als Rückzugsgebiet werden bei jeder Mahd nach einem Rotationsprinzip rund 10 % der Fläche stehen gelassen. „Alle drei bis vier Jahre mähen wir auch das Moor, um es vor der Verbuschung durch Weiden und Erlen zu bewahren“, erklärt Larch. Zu den Pflegemaßnahmen zählt auch ein Ausräume­n des Teiches: „Wir entfernen Weiden, Steifsegge und Rohrkolben, damit die Wasserfläche wieder größer wird. Sonst verlanden die Teiche“, so Larch. Amphibien wie die hier heimischen Bergmolche, Wasser-, Teich- und Grasfrösche, Kröten und Gelbbauchunken brauchen freie Wasserflächen. Ein Problem stellen immer noch Goldfische dar, die vor Jahren hier ausgesetzt wurden und das ökologische Gleichgewicht empfindlich stören. Durch Einfangen mit Reusen und tiefe Wintertemperaturen konnte der unerwünschte Fischbestand zwar stark dezimiert, allerdings noch nicht komplett entfernt werden. Ständiges Eingreifen des Menschen erfordern auch zugewanderte Neophyten wie Goldrute und das Drüsige Springkraut.

Beim Freiwilligeneinsatz kamen 25 Naturfreunde jeden Alters, darunter auch drei in Bad Eisenstein untergebrachte Flüchtlinge und für die Volkshilfe 17 Leute zum Einsatz. Ganz ohne Maschinen geht’s allerdings nicht – und so waren auch heuer wieder Maschinenring-Mitarbeiter beim Mähen mit dem Handmäher und mit Seilwinde und Traktor beim Abtransport behilflich. Das Schnittgut wird vom Bauhof zur Kompostieranlage gebracht. (vsg)