Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.01.2018


Natur

Borkenkäfer bedroht heuer heimische Wälder massiv

Das Jahr 2018 könnte rekordverdächtige Baumschäden durch den Borkenkäfer bringen. Die Maßnahmen werden strenger kontrolliert.

Der Leiter der Bezirksforstinspektion Imst, Peter Winkler, sieht heuer eine besondere Gefahr durch den Borkenkäfer. Er ruft alle Waldbesitzer und Teilwaldberechtigten auf, die verordneten Maßnahmen umzusetzen.

© DaumDer Leiter der Bezirksforstinspektion Imst, Peter Winkler, sieht heuer eine besondere Gefahr durch den Borkenkäfer. Er ruft alle Waldbesitzer und Teilwaldberechtigten auf, die verordneten Maßnahmen umzusetzen.



Von Hubert Daum

Imst – Ihr Name ist Buchdrucker, Kupferstecher und Nutzholzbohrer und sie verbindet eines: die Zugehörigkeit zur Familie der Borkenkäfer. Gemeinsam mit dem „Kleinen achtzähnigen Borkenkäfer“ halten sie sich ab dem Frühjahr zwischen Rinde und Baumholz auf, zerstören die Bahnen für Nährstoffe und Wasser und vermehren sich im optimalen Habitat rasant. „Ein Käferweibchen produziert rund 40 Nachkommen“, erklärt Peter Winkler, Leiter der Bezirksforstinspektion Imst. „Entstehen in einem für sie optimalen Jahr drei Generationen, so können 200 Weibchen über drei Millionen Nachkommen produzieren.“

Zurzeit hat es Winkler eilig, denn in den so genannten Forsttagsatzungen in allen Gemeinden des Bezirkes versucht er, vor allem den Waldaufsehern die Brisanz der Bedrohung in diesem Jahr klarzumachen: „Wir hatten 2017 die höchste Schadholzmenge seit mehr als zehn Jahren, 14 Prozent der geschlägerten Bäume im Bezirk waren befallen.“ Hinzu komme eine hohe Käferdichte im Boden, weil die Winter zu warm sind. 2018 ist für den Forstleiter Alarmstufe rot angesagt: „Wir müssen heuer die Maßnahmen, die für die Grundeigentümer und Teilwaldberechtigten ja schon im letzten Jahr per Verordnung festgesetzt wurden, noch konsequenter umsetzen. Und wir werden strenger kontrollieren müssen.“

Waren 2017 Arzl und die meisten Gemeinden im Inntal „Bekämpfungsgebiet“, so kommen laut Winkler heuer „sicher einige dazu“. Auch für den Laien seien stark befallene Bäume erkennbar, die Profis sind allerdings die Waldaufseher. Sie sind bereits geschult worden und angehalten, die Waldbesitzer und Teilwaldberechtigten zu bewegen, die per Verordnung definierten Maßnahmen zu treffen. Auf sie wartet viel Arbeit: unverzügliche Fällung der befallenen Fichten, Entrindung und die Abfuhr von Holz und Rinde innerhalb von sieben Tagen. Die so genannte Fangbaum-Aktion soll heuer verstärkt genutzt werden. Winkler: „Rund zwei Wochen vor Flugbeginn ab einer Temperatur von 16 Grad sollen Fangbäume gefällt oder Winterschadholz genutzt werden, damit sich die Käfer dort kontrolliert einnisten.“ Dies habe in tiefen Lagen spätestens im März, in höheren Lagen bis Anfang Mai zu geschehen. In Lagen, wo der Abtransport nicht möglich ist, müsse der Waldbesitzer befallene Fichten in Meterstücke zerkleinern. „Es geht darum, dass das Holz schnell austrocknet“, weiß Winkler. Die chemische Behandlung mit forstlichen Pflanzenschutzmitteln sei nur in Ausnahmefällen erlaubt. Es gebe auch eine finanzielle Förderung verschiedener Maßnahmen.

Jedenfalls werde man heuer strenger kontrollieren und wenn nötig auch zu Anzeige und Zwangsmaßnahmen greifen: „In diesem Fall geben wir die Maßnahme in Auftrag und schicken dem Verantwortlichen die Rechnung.“

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