Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.01.2018


Südtirol

„Können Wolf nicht ausrotten“

Ein Wolf hat in Lana sechs Lämmer gerissen. Mit großen Beutegreifern muss man sich arrangieren, findet Luigi Spagnolli, Direktor des Südtiroler Amtes für Jagd und Fischerei.

© Amt Für Jagd und FischereiDer Wolf ist vor zwölf Tagen bei Lana in Südtirol in eine Fotofalle getappt.Foto: Amt für Jagd und Fischerei/Dolomiten



Von Benedikt Mair

Lana, Innsbruck – Das Ergebnis des DNA-Tests steht noch aus, doch die Südtiroler Experten sind sich sicher: Ein Wolf hat vor knapp zwei Wochen in der Umgebung von Lana bei Meran sechs Lämmer gerissen – nur wenige hundert Meter entfernt von bewohntem Gebiet.

Im Ort war die Aufregung groß und auch die Rufe nach einem wolffreien Land wurden ein weiteres Mal laut. Nüchterner sieht hingegen Luigi Spagnolli, Direktor des Südtiroler Amtes für Jagd und Fischerei, die Sache: „Vor einem Jahrhundert ist der Wolf ausgerottet worden. Jetzt kehrt er zurück. Und viele Menschen akzeptieren das Tier als einen wertvollen Teil der Natur. Wir können, anders als unsere Großeltern, den Wolf nicht mehr ausrotten.“

Das Tier habe die Lämmer in Lana nur reißen können, weil die Umzäunung des Geheges in schlechtem Zustand war, sagt Spagnolli. Die notwendigen Vorbeugemaßnahmen, wie Zäune oder Herdenschutz müssen getroffen werden, damit der Wolf kein leichtes Spiel habe. „Ich bin überzeugt davon, dass wir lernen müssen, mit den großen Beutegreifern umzugehen. Erst in Fällen, in denen sich das als unzureichend erweist, sollen die Tiere auch abgeschossen werden.“

Eine „europäische Lösung“ des Wolf-Themas hat Südtirols Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler vor Kurzem bei einem Treffen mit Vertretern der französischen Landwirtschaftskammer gefordert. „Der Schutzstatus ist zu senken, damit national über Entnahmen entschieden werden kann“, befand Schuler.

Bereits vor zwei Wochen hat der Südtiroler Landtag die Landesregierung in einem Beschlussantrag aufgefordert, die Kosten für Herdenschutzmaßnahmen in Form von Pilotprojekten bereits für 2018 komplett zu begleichen. In welcher Form die Landesregierung die Finanzierung umsetzen wird, steht noch nicht fest.

„Aus fachlicher Sicht ist das, was Südtirol macht, durchaus sinnvoll“, kommentiert Martin Janovsky, Beauftragter des Landes Tirol für große Beutegreifer. Denn ein ausreichender Schutz der Nutztiere sei eine der grundlegenden Säulen eines erfolgreichen und konfliktfreien Umganges mit dem Wolf.

In Tirol hat sich der Wolf vorerst rar gemacht. Janovsky: „Die letzten Sichtungen von Wölfen auf Tiroler Gebiet stammen aus dem Spätherbst des Vorjahres. Wir haben zwar auch 2018 mehrere Proben genommen und analysiert, jedoch keine neue Individuen feststellen können.“




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