Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.03.2018


Bezirk Kitzbühel

Die Biber nagen an den Nerven der Kirchdorfer

Feuchte Keller, untergrabene Straßen und unter Wasser stehende Spielgeräte für Schüler: In Kirchdorf sorgen Biber für Konflikte.

Hier waren Kirchdorfs Biber am Werk: Der Staudamm im Kirchdorfer Bach hinter der Volksschule sorgt derzeit für einen erhöhten Wasserspiegel, weshalb Spielgeräte zum Teil unter Wasser stehen.

© HotterHier waren Kirchdorfs Biber am Werk: Der Staudamm im Kirchdorfer Bach hinter der Volksschule sorgt derzeit für einen erhöhten Wasserspiegel, weshalb Spielgeräte zum Teil unter Wasser stehen.



Von Miriam Hotter

Kirchdorf – „Sie sind ein großes Problem. So kann es nicht weitergehen, das ist sicher.“ Kirchdorfs Bürgermeister Gerhard Obermüller ist im wahrsten Sinne des Wortes angefressen. Seit vielen Jahren sind mehrere Biberfamilien in der Gemeinde aktiv. Angeknabberte Bäume sind dabei nicht das einzige Problem. Auch feuchte Keller gehen auf die Kappe der pelzigen Nagetiere. Entsprechende Beschwerden seien in den vergangenen Jahren genug im Gemeindeamt eingegangen. Ebenso haben die Biber mehrmals Straßen untergraben, weshalb Teile einfach weggebrochen sind. Der jüngste Fall betrifft ein Straßenstück im Ortsteil Bicheln. Die Straße musste im vergangenen Spätsommer saniert werden.

Aktuell sorgt ein Biberstaudamm im nahe gelegenen Kirchdorfer Bach hinter der Volksschule für Gesprächsstoff. Er ist dafür verantwortlich, „dass im Bereich der Schule der Wasserspiegel um 30 bis 40 Zentimeter erhöht ist“, erklärt Philipp Larch, Biberbeauftragter in der Gemeinde Kirchdorf. Dadurch stehen Spielgeräte für Schüler teils unter Wasser. „Auch Bäume in diesem Bereich wurden angenagt. Inzwischen werden sie von Gittern geschützt“, sagt Larch.

Die Gemeinde hat inzwischen erste Schritte gesetzt, um das „Stauproblem“ im Bereich der Schule zu lösen, und bei der Bezirkshauptmannschaft um eine naturschutzrechtliche Bewilligung angesucht. Wie diese Lösung aussieht, könne man noch nicht sagen. „Da muss man das Verfahren abwarten.“ Eine Möglichkeit aber wäre zum Beispiel, den Staudamm abzusenken, um den Wasserspiegel auf ein verträgliches Maß für Mensch und Tier zu bringen. Zudem sieht Larch die aktuelle Situation als Chance, den Schülern den Lebensraum des Bibers näherzubringen und sie über die Gewohnheiten dieses geschützten Tieres zu informieren.

Wie viele Biber es genau in Kirchdorf gibt, kann Larch nicht sagen. Nur so viel: „Es gibt insgesamt neun Reviere in der Gemeinde, so viele wie an keinem anderen Ort im Bezirk Kitzbühel.“




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