Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 25.03.2018


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Alle Amphibien und 65 Vogelarten in Tirol gefährdet

Vogelinseln und Tümpel: In Tirols Wäldern wird bis 2020 Lebensraum vor allem für gefährdete Arten geschaffen.

© BundesforsteDreizehenspecht, Alpen-Kammmolch und junge Waldkäuze (Fotos im Text) finden in den Wirtschaftswäldern geeignete Lebensräume.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Wien — Die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) schaffen zu Frühlingsbeginn mehr Lebensraum für seltene Arten im Wirtschaftswald. „Naturschutz und Waldwirtschaft gehen bei uns Hand in Hand. Naturschutz ist heute Teil einer nachhaltigen Forstwirtschaft, die zum Ziel hat, den nachwachsenden Rohstoff Holz zu gewinnen und gleichzeitig den Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten zu erhalten", sagt Rudolf Freidhager, Vorstandssprecher der Österreichischen Bundesforste (ÖBf), die rund 15 % des österreichischen Waldes betreuen.

- Bundesforste

2017 setzten die ÖBf-Mitarbeiter österreichweit 1360 Naturschutzaktivitäten um, davon ein Viertel in Tirol. Von mehr Blühpflanzen für Wildbienen, Setzen von seltenen Baum- und Straucharten, Ausbringen von Nistkästen über eigene Vogelinseln, von der Förderung von Totholz bis hin zur Errichtung von Amphibientümpeln reicht die Palette der Aktivitäten. Österreichweit sind bis 2020 in Zusammenarbeit mit BirdLife Österreich rund 500 Biodiversitätsinseln, die vor allem dem Vogelschutz dienen, geplant. „In Tirol sind es rund 80 Inseln, wovon mehr als die Hälfte bereits bezugsfertig ist", so Andrea Kaltenegger, ÖBf-Pressesprecherin.

Vogelinseln sind bis zu 10 Hektar große Waldgebiete, die laut Kaltenegger bewusst nicht mehr bewirtschaftet werden und besonders reich an abgestorbenem Holz oder alten, mächtigen Bäumen sind, die die Tiere zum Brüten oder für die Nahrungssuche nutzen. „Von den 133 Waldvogelarten in Österreich stehen rund 65 auf der Roten Liste. Das heißt, sie gehören zu den nahezu gefährdeten und gefährdeten Arten. Dazu zählen unter anderem der Weißrücken- und Dreizehenspecht und der Raufußkauz", erklärt Kaltenegger. Letzterer läutet mit der Waldohreule in den Morgen- und Abendstunden mit ihren Rufen den hoffentlich bald nahenden Frühling ein. „Die Vögel begeben sich damit auf die Suche nach einer geeigneten Partnerin oder signalisieren ihren Konkurrenten die Grenzen ihrer Reviere", sagt Kaltenegger.

Dreizehenspecht, Alpen-Kammmolch und junge Waldkäuze finden in den Wirtschaftswäldern geeignete Lebensräume.Fotos: ÖBf-Archiv/W. Simlinger, BirdLife/O. Samwald, BirdLife/W. Borok,
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Viele Tiere wie die Eulen — von denen sieben der insgesamt zehn heimischen Arten als gefährdet eingestuft sind — oder der seltene Alpenbockkäfer sind zur Nachwuchspflege und als Nahrungsquelle auf alte, mächtige Bäume und ausreichend abgestorbenes Holz angewiesen. In Baumhöhlen ziehen sie ihre Jungen auf, im toten Holz finden die Tiere ausreichend Larven, Käfer und andere Insekten als Nahrung. Zu Frühlingsbeginn lassen dann auch viele Spechte im Wald ihr Trommeln erklingen.

Auch den äußerst seltenen Alpen-Kammmolch locken die ersten wärmenden Sonnenstrahlen aus seinem Winterquartier, um mit der Paarung zu beginnen. Großes Augenmerk wird auf die Amphibien gelegt, denn alle 20 in Österreich heimischen Amphibienarten gelten heute als gefährdet. „Als direkte Überlebenshilfe haben wir daher in unseren Wäldern Dutzende künstliche Amphibientümpel und Hunderte Lacken für Molche, Unken und Frösche angelegt", erzählt Freidhager. In den ÖBf-Revieren in Tirol wurden dafür 20 Gewässer geschaffen.