Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.06.2018


Bezirk Kufstein

Wörgler Biotop bedroht: Erneut Goldfische ausgesetzt

Seit Jahren kämpfen Betreuer der Wörgler Filz mit einer Goldfischplage und ärgern sich: Wieder wurde ein Tier ausgesetzt.

Die Wörgler Filz ist in Gefahr: Ausgesetzte Goldfische bringen das Ökosystem ins Wanken und bedrohen zahlreich­e heimische Fisch- und Insektenarten, die in dem Schutzgebiet leben.

© HaunDie Wörgler Filz ist in Gefahr: Ausgesetzte Goldfische bringen das Ökosystem ins Wanken und bedrohen zahlreich­e heimische Fisch- und Insektenarten, die in dem Schutzgebiet leben.



Von Florian Haun

Wörgl 13 große Goldfische wurden seit Anfang Mai wieder aus der Wörgler Filz gefangen. Seit Jahren kämpfen die Betreuer des geschützten Gebietes im Südwesten der Stadt mit den Tieren, die – so die Vermutung – vor Jahren im Weiher ausgesetzt wurden. „Durch das Einsetzen von Goldfischen in heimischen Teichen wird das ökologische Gleichgewicht zerstört und es ist fast unmöglich, die Fische wieder aus einem Gewässer zu bekommen“, ärgert sich Schutzgebietsbetreuer Philip­p Larch.

Mit Fischreusen will man die Tiere einfangen und umsiedeln, der Erfolg ist mäßig – nicht nur, weil sich die Fische fortpflanzen. Seit ungefähr drei Wochen schwimmt auch ein ausgewachsener oranger Goldfisch mit einer beachtlichen Länge von rund 25 Zentimetern durch den Weiher im Wörgler Biotop. „Da wir diesen orangen Goldfisch vorher noch nie gesehen haben, vermuten wir, dass er sich entweder erst vor Kurzem umgefärbt hat oder aber neu eingesetzt wurde“, führt Larch aus.

Die meist schwarzen Fische sind vom Steg aus leicht zu sichten und für Besucher schön anzusehen – für die heimischen Tierarten bedeuten sie aber eine Katastrophe, erläutert der Schutzbeauftragte: „Goldfische sind allesfressende Räuber, die Froschlaich, Molchlaich, Kaulquappen, kleine Molche und auch alle anderen Tiere, die kleiner als sie selbst sind, auffressen.“

Für gewöhnlich laichen Goldfische Mitte Mai ab, aufgrund der hohen Temperaturen sei dies heuer aber schon zwei bis drei Wochen früher passiert. Die Laichzeit eigne sich laut Larch am besten, um die Tiere zu fangen. „Goldfische sind extrem schlau, deshalb bringt es auch nichts, die Fischreusen länger im Gewässer zu lassen, da sie sie dann einfach meiden.“ Die derzeit aktiven Reusen würde man also bald wieder aus dem Gewässer entfernen, nach einiger Zeit aber neu einsetzen. 38 Goldfische konnten so bereits aus der Wörgler Filz gefangen werden. Dem sehr kalten Winter im Vorjahr fielen acht Exemplare zum Opfer, weil sie erfroren.

Das Problem mit invasiven Tierarten gibt es nicht nur in Wörgl, auch im benachbarten Schutzgebiet „Söller Wiesen“ in Kundl schwimmen massenhaft Goldfische und eine weitere gefräßige Zierfischart. „Wir können nur an die Vernunft der Leute appellieren, es zu unterlassen, Goldfische und andere Haustiere in heimischen Gewässern auszusetzen“, betont Larch.