Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 08.07.2018


Exklusiv

Trockene Böden in Tirol: Hitzesommer wäre fatal

Der Niederschlag liegt unter dem Vorjahr. Wetterextreme nehmen zu, Versicherungsprämien könnten angehoben werden.

© APA/Roland SchlagerTirols Bauern haben bei Ernteausfall vorgesorgt. Auf den Katastrophenfonds können sie weniger zählen.



Von Alexandra Plank

Innsbruck — Obwohl die vergangenen Tagen regenreich waren, rechnen Wetterdienste mit einem Hitzesommer. Anzeichen dafür sind, dass das Frühjahr gerade in Nordtirol zu warm und vor allem der April viel zu trocken war, erklärt Johannes Vergeiner von der ZAMG Tirol. Daraus verbindliche Schlüsse zu ziehen, sei schwierig: „Das Wetter ist ähnlich komplex wie der menschliche Körper, man kann sich heute gut fühlen, in drei Monaten kann das total anders sein."

Sein Wiener Kollege Klaus Haslinger will 2019 ein Berechnungsmodell vorstellen, das anhand der Beschaffenheit der Böden mögliche Trockenperiode­n voraussagt. Der Klimaexperte untersuchte den erweiterten Alpenraum von Süddeutschland bis Norditalien sowie von Ostfrankreich bis Westungarn. Sein Ergebnis: Im Juni, Jul­i, August zeigen die Klimamodelle, dass extrem trockene Phasen deutlich zunehmen, da es weniger regnet. Kurzfristige Prognosen bleiben schwierig. „Ab Montag kommt ein längeres Hoch, es wäre gut, wenn es von gemäßigten Niederschlägen abgelöst wird", sagt Haslinger.

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Bienen-Saison endet früher

Tirols oberster Imker Reinhard Hetzenauer erklärt, dass der Ertrag der Honigbienen in Tirol heuer nur halb so hoch ist wie 2017. Der Waldhonig sei fast zur Gänze ausgefallen. Wegen der Trockenheit würden die Bienen dieser Tage keine Nahrung finden. Die Imker würden daher die Saison einen Monat früher beenden und die Stöcke schon winterfest machen.

Mit extremen Wetterereignissen werde man zunehmend rechnen müssen, ist Versicherer Walter Schieferer überzeugt. Seine Branche habe keine Freude mit dieser Entwicklung. „Die Unternehmen sind gut aufgestellt, es gibt aber Überlegungen, ob wir uns die so genannte Sturmschadenversicherung weiter leisten können." Diese versichere Gebäude gegen alle Ereignisse, die lokal gut eingrenzbar seien, etwa Schäden durch kleine Erdrutsche. Hier würden Schäden zur Gänze ersetzt. Großereignisse wie Vermurungen seien mit 5000 Euro gedeckelt. „Die Aussicht auf gehäufte, extreme Wetterereignisse lässt uns überlegen, die Prämien zu erhöhen oder die Leistungen auch bei eingrenzbaren Ereignissen zu deckeln", so Schieferer.

Symbolfoto
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Probleme bei Getreide

Der Ackerbaureferent der Tiroler Landwirtschaftskammer, Reinhard Egger, erklärt, dass es vor allem in Nordtirol zu wenig Niederschlag gegeben habe. Es sei trocken, aber nicht katastrophal. Von einer Dürre wie 2013 oder 2010 sei man weit enfernt. Rekordjahre bei der Erdäpfel- und Maisernte erwarte man heuer nicht, bei manchen Getreidesorten gebe es schon Einbußen.

Vorsorge statt Ruin lautet indes das Motto bei den Bauern. „Umfassendes Risikomanagement in Form von Versicherungslösungen ist ein wesentlicher Teil in der landwirtschaftlichen Betriebsführung. Der Grund liegt in der Zunahme der Wetterextreme", sagt Norber­t Jordan, Landesleiter der Hagelversicherung. Rund drei Viertel der landwirtschaftlichen Ackerfläche in Tirol sind gegen Hagel versichert, davon über 80 Prozent auch gegen Risiken wie Dürre, Sturm, Überschwemmung usw. Beim Obst und im Gartenbau beträgt die Durchversicherung gegen Hagel nahezu 100 Prozent. Das Risiko Frost beim Obst haben etwa 80 % der Obstbaubetriebe versichert.

Seitens der öffentlichen Hand wird die Prämie für Landwirte seit 1995 zu 50 % vergünstigt. Die Politik hat 2016 die Prämienförderung auf die Risiken Überschwemmung, Sturm und Dürre für alle landwirtschaftlichen Kulturen ausgeweitet. „Der Landwirt hat nun einen Rechtsanspruch auf Entschädigung, das Budget ist für die öffentliche Hand kalkulierbar", so Jordan. Versicherbare Schäden übernimmt der Katastrophenfonds nicht. „Derzeit befinden wir uns mitten in der Schadenssaison", so Jordan. Erst Ende September werde seitens der Versicherung bilanziert.

Getränke stark nachgefragt

Unternehmer Martin Darbo erklärt, dass bei hohen Temperaturen mehr Getränke, vor allem Alkoholfreies, nachgefragt werden. Seitens der Privatquelle Gruber heißt es, dass ab 28 Grad der Konsum merklich ansteige. Die globale Diskussion um die Nutzung von Wasser nutze den lokalen Getränkeherstellern. Die Konsumenten würden mehr auf lokale Wässer setzen, um eine negative CO2-Bilanz zu vermeiden.

- Bildagentur Waldhäusl