Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.07.2018


Bezirk Reutte

Wie ein Naturliebhaber den Naturschutz fürchten lernte

„Niemand kommt für die Schäden auf, die der Biber anrichtet“, ärgert sich der Vilser Karl Mages. Ein Weg sei seit zwei Jahren überflutet.

© magesBiberland: Was früher einmal ein Weg war, ist heute durch gefällte Bäume verlegt und zugewachsen.



Von Helmut Mittermayr

Vils – Justin Bieber hat sich gerade verlobt, der Vilser Biber ist schon viel weiter. In seinem Bau in der Lände hat es Nachwuchs gegeben. Im Biberreich an der Staatsgrenze herrscht also höchste Aktivität, was Karl Mages gehörig auf den Magen schlägt. Das Anwesen des Vilsers liegt mitten im Natura-2000-Gebiet. Die immer wiederkehrenden Schäden lassen Mages schon schlecht schlafen: wie etwa ein Weg, der seit zwei Jahren überflutet ist. Oder ein anderer, bei dem sich Löcher auftun (Bild), so stark hat ihn der Schwanzflossler untergraben. Mages hat inzwischen Warnschilder angebracht. Gar nicht zu reden von über 100 Bäumen, die zum Zweck von Nahrungsaufnahme und Lenkung des Wasserregimes gefällt wurden. Und einer ohne erkennbares Muster laufenden Abfolge von Trockenlegung und Überflutung der Felder und Wiesen.

Was Mages besonders aufstößt, sind die vielen „Besprechungen mit Behörden und Naturschutzvertretern ohne Protokoll. Nach kurzer Zeit tritt das große Vergessen ein, was versprochen wurde.“ Zudem hätte Schutzgebietsbetreuerin Caroline Winklmair ihm erklärt, dass sie in Sachen Biber für den ganzen Bezirk nur 2000 Euro für Entschädigungszahlungen zur Verfügung hätte. Darauf angesprochen, verweist die Biologin auf den Außerferner Biberbeauftragten Egon Bader, der keine Scheu hat, öffentlich zu antworten. Der Ehenbichler kann über mögliche Geldmittel vor dem heutigen Treffen von Biberbeauftragten aus ganz Österreich im Tiroler Unterland nicht viel sagen. „Aber prinzipiell gilt, dass die Landesregierung dafür überhaupt keine Mittel vorgesehen hat. Das ist halt so“, sagt Bader trocken. Und weiter: Natürlich mache ein Biber Schäden, „aber wenn er das in einem Natura-2000-Schutzgebiet nicht mehr darf, ja wo denn dann?“ Die öffentliche Hand stelle sehr wohl das Material für Verrohrungen, Elektrozäune oder Paste und Drahtgeflecht für den Einzelstammschutz zur Verfügung.

Bis aber manchmal geklärt ist, wer/wann/wo/wie die Bäume schützt, nimmt Karl Mages oft lieber gleich selbst ein Drahtgeflecht zur Hand, um Linden und Ulmen vor den Biberzähnen zu retten. Mages sieht sich als Naturfreund, „der sich gegen die Resignation stemmt, die in der Dauerauseinandersetzung mit dem Naturschutz unweigerlich eintritt und von den Behörden wohl gern in Kauf genommen wird“.

Die Hauskatze der Familie Mages starrt in das tiefe Loch am Weg, das durch Bibergrabungen entstanden ist.
- mages