Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.07.2018


Osttirol

Gericht entscheidet über Deferegger „Urwald“

Agrargemeinschaften in St. Jakob planen einen Weg durch den Frattenwald. Der Umweltanwalt sieht ein Naturjuwel bedroht.

© Landesumweltanwalt



Von Catharina Oblasser

St. Jakob i. D. – Die Lappachalm in St. Jakob liegt auf knapp 2000 Metern Seehöhe und wird von mehreren Bauern für die Alpung genutzt. Zurzeit führt keine Straße hinauf. Ob dorthin nun ein „landwirtschaftlicher Bringungsweg“ gebaut werden darf oder nicht, darüber muss das Landesverwaltungsgericht Tirol entscheiden.

Drei Agrargemeinschaften, eine davon ist die Gemeindegutsagrargemeinschaft St. Jakob, haben den Wegbau jedenfalls vor. Die Bezirkshauptmannschaft Lienz hat die naturschutzrechtliche Bewilligung erteilt, doch der Landesumweltanwalt legte Beschwerde ein. Knackpunkt ist für ihn der geplante Trassenverlauf.

Der führt nämlich durch den Frattenwald, und dieser ist für Umweltanwalt Johannes Kostenzer ein wahres Juwel. „Es handelt sich um einen der letzten urwaldähnlichen Wälder Tirols“, sagt Kostenzer. „Dieser Bereich hat sich über Jahrhunderte unbeeinflusst entwickeln können. Er enthält Jungwuchs ebenso wie ältere Bäume und Totholz.“ Ein weiterer wichtiger Aspekt: Der Frattenwald bietet für Insekten, Vögel, Käfer oder kleine Säugetiere einen Rückzugsraum. All das gelte es zu schützen.

Die Umweltanwaltschaft sieht Almerschließungen grundsätzlich als wichtige Maßnahme zum Erhalt der Kulturlandschaft an, führt Kostenzer in seiner Beschwerde aus. Doch in diesem Fall ist der Schutz des „Urwaldes“ wichtiger.

Das derzeitige Verfahren rund um die Lappachalm ist nicht das erste. Schon 2013, als die dortige Agrargemeinschaft einen Weg beantragt hatte, wurde die naturschutzrechtliche Bewilligung erteilt. Und schon damals legte der Umweltanwalt Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht ein – aus den gleichen Gründen. Damals verlief die Sache im Sand: Weil, wie aus den Unterlagen der Umweltanwaltschaft hervorgeht, die Agrargemeinschaft die nötigen Schriftstücke nicht nachreichte und den Antrag schließlich zurückzog.

Gemeindevorstand Robert Ladstätter ist Substanzverwalter der Gemeindegutsagrargemeinschaft St. Jakob. „Es geht um eine geplante Forststraße. Wir haben das Projekt eingereicht und harren nun der Dinge“, so Ladstätter. Mehr will er dazu nicht sagen und begründet: „Es handelt sich um ein laufendes Verfahren.“ Das erklärt auch Christoph Purtscher, Präsident des Landesverwaltungsgerichts. „Es wurden Gutachten angefordert“, sagt Purtscher. „Sobald diese vorliegen, wird es eventuell zu einer Verhandlung darüber kommen.“