Letztes Update am So, 15.07.2018 07:45

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Viehwirtschaft

GPS-Sender kein Ersatz für traditionelle Kuhglocken

Auf einer Tiroler Alm werden Kühe testweise mit GPS-Sendern ausgestattet. Das Ende der Glocke sieht ein Experte aber nicht eingeläutet.

© Thomas Boehm / TT(Symbolfoto)



Von Alexandra Plank

Innsbruck – Diskussionen um die Kuhglocke beschäftigen Menschen aus unterschiedlichsten Motiven. Da sind die Tierschützer, die meinen, dass die Tiere durch das Gebimmel „narrisch“ werden und das mit einer Schweizer Studie untermauern. Da sind die Anrainer von Weiden im Ort, die sich durch das Gebimmel gestört fühlen. Da sind Bauern, die darauf hinweisen, dass die Kuhglocke zum Auffinden der Tiere unverzichtbar sei.

Nun lässt die Meldung aufhorchen, dass auf Almen in Oberbayern und Tirol einige Kühe diese Saison testweise neben ihrer traditionellen Kuhglocke eine elektronische Variante tragen. An etwa 150 Tieren werden die GPS-Sender nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) getestet. Sie sollen Almbauern helfen, ihre Kühe in unwegsamem Gelände zu finden.

Kein Ersatz: Gefahr eines Funklochs zu groß

Bereits 2013 wurden mit der LfL Prototypen zweier Firmen auf Almen erprobt. Seit 2016 experimentiert auch der Almbauer und IT-Fachmann Matthias Engel von der Bichler Alm bei Jache­nau (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) mit selbstgebauten Geräten, mit denen er seine Tiere über GPS orten will. Im Handel gibt es sie bisher nicht serienmäßig. Josef Lanzinger, Obmann des Tiroler Almwirtschaftsvereins, stellt klar, dass die Sender eine Chance seien, aber die traditionelle Kuhglocke nicht ersetzen können.

Die Gefahr, durch ein Funkloch die Verbindung zu den Tieren zu verlieren, sei zu groß. „Wenn man über den Sender per Handy nicht nur feststellen kann, wo sich die Tiere befinden, sondern auch in welchem Zustand sie sind, wäre das eine tolle Ergänzung zur Glocke“, sagt er. Allerdings müsse das Ganze, wenn es marktfähig ist, noch leistbar für die Bauern sein. Bezüglich der Verwendung von Kuhglocken im Wohngebiet appelliert Lanzinger einmal mehr an gegenseitige Rücksichtnahme.