Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 19.07.2018


Bezirk Landeck

Fiss bekam Besuch von einem Wolfspaar

Laut Land ist davon auszugehen, dass die fotografierten Tiere Wölfe sind.

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© Achenrainer



Von Matthias Reichle

Fiss – Graues Fell, buschiger Schwanz, spitze Nase – so wie man sich einen Wolf aus dem Märchen vorstellt, so sehen auch die beiden Tiere aus, die Ossi Achenrainer vor die Linse gelaufen sind. Der Fisser Jäger hat letzten Samstagabend gegen 20 Uhr bei der Vorder­almgampen auf 2100 Metern Seehöhe mehrere spektakuläre Fotos geschossen – die TT berichtete.

Nach anfänglichem Zweifel gesteht man nun von Landesseite ein, dass es sich höchstwahrscheinlich um Meister Isegrim handelt: „Wir können anhand des Bildmaterials derzeit keine hundertprozentige Aussage treffen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die fotografierten Tiere Wölfe sind“, sagt Martin Janovsky, Beauftragter des Landes für große Beutegreifer.

Es wurden auch Experten aus anderen Ländern hinzugezogen – einige Merkmale sprechen definitiv dafür, so Janovsky. Sicher ist, dass es sich um zwei verschiedene Tiere handle. Eines ist ein Rüde. Wenn es ein Pärchen ist, könnte es also auch Nachwuchs geben – frühestens aber erst im nächsten Jahr.

Das Auftauchen der Wölfe verwundert Janovsky keineswegs. „Wir haben ein reproduzierendes Wolfsrudel in Chur. Das ist für die Tiere ein Katzensprung.“ Ob sie allerdings bleiben, sei reine Spekulation. „Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass es Wölfe waren“, wiederholte gestern Jäger Achenrainer seine Aussage. Er sei weiter in Kontakt mit dem Land. Auch Jagdpächter Engelbert Krismer bestätigt das. Die Stimmung unter den Bauern sei nicht gut, betont er. Mancher mache sich Sorgen.

Der Fisser Bürgermeister Markus Pale spricht hingegen von keiner Beunruhigung in der Bevölkerung. Aus jagdlicher Sicht sei der Wolf „kein Problem“, betont der Bezirksjägermeister Hermann Siess: „Wir haben im Winter auch Fallwild und den Luchs, das ist einfach so.“ Anders sehe es für die Bauern aus. „Man hat im Obergricht schon öfter einen Wolf gesehen“, betont er, vermutet aber, dass das Wolfspaar auf der Durchreise ist.

Das Land gab gestern auch Sicherheitshinweise aus. „Wölfe meiden in der Regel den Kontakt mit Menschen“, erklärt Janovsky. Wer dennoch einem begegne, solle Abstand halten, nicht weglaufen, den Hund anleinen und nahe bei sich behalten. Auch lautes Auf-sich-aufmerksam-Machen sei sinnvoll. Auf keinen Fall solle man den Wolf füttern.

Gleichzeitig bittet man um weitere Hinweise für einen genetischen Abgleich: Bilder, Losung und eventuelle Risse sollen der Bezirkshauptmannschaft Landeck gemeldet werden. Erster Ansprechpartner ist Amtstierarzt Eduard Martin – Tel. 0676/88 508 5540.




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