Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 01.09.2018


Bezirk Landeck

Naturpark mit Obstvielfalt gegen den Klimawandel

Der Naturpark Kaunergrat startet ein Monitoring heimischer Obstbäume. Gefragt sind jene, die den Klimawandel besonders gut verkraften.

© Archiv Naturpark KaunergratWer nicht weiß, welche Obstsorte in seinem Garten gedeiht, der kann sie bestimmen lassen.Foto: Archiv Naturpark



Von Matthias Reichle

Fließ – Ein ungewöhnlich mildes Frühjahr, eine frühe Blüte und dann Frost, der die gesamte Ernte zerstört. Oder ein heißer Sommer wie heuer, Äste, die unter der Last der Früchte ächzen, aber gleichzeitig Trockenheit. Das Klima spielt verrückt – und die Landwirtschaft muss es ausbaden.

„Die Vielfalt ist die beste Antwort gegen den Klimawandel“, ist sich der Geschäftsführer des Naturpark Kaunergrat, Ernst Partl, sicher. Mit der Klimawandelanpassungsregion Kaunergrat begibt er sich heuer auf die Spur alter und witterungsresistenter heimischer Obstsorten. Im Rahmen des LEADER-geförderten Projekts organisiert der Naturpark gemeinsam mit dem Obstbauverein Fließ, dem Verein Grünes Tirol und der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Imst einen Sortengipfel. Gefördert wird er über RegioL.

„Man kann den Klimawandel nicht verhindern“, so Partl – es gelte also Antworten auf die Risiken zu finden. Dazu will man sich einen Überblick verschaffen, was in der Region gedeiht. Denn viele Obstgärten und damit auch viele alte Sorten seien im Bestand bedroht.

Die Initiative stellt sich nun die Frage, welche Sorten mit den geänderten klimatischen Bedingungen und mit den neu aufgetretenen Schädlingen am besten zurechtkommen?

Viele wissen nämlich gar nicht, was genau in ihrem Garten gedeiht. In der Naturparkregion mit allen neun Mitgliedsgemeinden sowie dem Oberen Gericht startet man dazu eine Erhebung. „Wer glaubt, dass bei ihm im Garten eine besondere Sorte wächst, oder jeder, der nicht weiß, welche es ist, kann eine Probe bringen“, erklärt Partl. Am 19. Oktober können heuer bei der Neuen Mittelschule in Fließ Obstproben von zehn bis 15 Stück – mit Stil und ungewaschen – abgegeben werden. Am 20. Oktober wird ein Pomologe anwesend sein, der die Früchte analysiert. Dabei wird auch abgefragt, wie der Ertrag des betreffenden Baums in den vergangenen Jahren ausgefallen ist.

Darüber hinaus wird es an diesem Tag im Kultursaal in Fließ eine Vortragsreihe geben, die die Chancen und Risiken des Obstbaus in der Region zum Thema hat. Am Sonntag folgt dann eine Obstausstellung samt Verkostung. „Es liegt auf der Hand, dass Ökosysteme, die eine Vielfalt haben, leichter auf Veränderungen reagieren können“, so Partl. Er will dazu ermutigen, alte Obstsorten für die nächste Generation nachzupflanzen – „wir sollten die Chance nutzen“, betont der Naturparkgeschäftsführer. „Man muss nicht alles ökonomisieren.“ Ein Baum sei ein schönes Element in der Landschaft und wertvoller Lebensraum für Vögel und Insekten.