Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.09.2018


Bezirk Kufstein

Vierbeinige „Rasenmäher“ erobern die Festung Kufstein

Sieben Schafe sollen helfen, den Rasen in steilen Bereichen der Kufsteiner Festung zu pflegen. Mittlerweile sind die Paarhufer ein Publikumsmagnet.

© Jasmine HrdinaFestungswart Thomas Holzer hat seit Juli ein weiteres Aufgabengebiet: sieben Roussillon-Schafe, die für die Rasenpflege am Festungsberg zuständig sind.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Nein, es ist keine Einbildung und auch kein neuer Soundeffekt der Heldenorgel. Seit einigen Wochen hört man tatsächlich Schafe von der Kufsteiner Festung blöken. Sieben wollige Paarhufer bewohnen seit Mitte Juli den Festungsberg und „sind die neuen Stars bei den Besuchern“, wie „Festungsherr“ Emanuel Präauer (GF Top-City-Kufstein) erzählt. Eine neue Touristenattraktion zu schaffen, sei jedoch nicht der Kaufgrund gewesen, vielmehr gab es infrastrukturelle Gründe: Die Schafe dienen als biologische Rasenmäher.

„Das Mähen in steilem Gelände ist oft schwierig bis unmöglich. Die Schafe kommen an Stellen, wo wir Menschen keine Chance hätten“, erklärt Thomas Holzer. Eigentlich ist der 36-jährige Salzburger als Festungswart in erster Linie für technische Angelegenheiten des Hunderte Jahre alten Bauwerks zuständig. Seit „Charly“, „Cordula“, „Rasta“, „Mama“ und „Lisl“ eingezogen sind, erstreckt sich sein Einsatzgebiet auch auf Weiden. „Meine Tante hatte einen Bauernhof und ich habe immer schon Freude an Tieren gehabt. Natürlich habe ich mich auch bei einem Schafbauern über die Haltung der Tiere informiert“, so der Neo-Hirte.

Im August kamen der schwarze Bock "Maxl" und seine weiße Stiefschwester "Resl" hoch über Kufstein zur Welt.
- Hrdina

Fünf Schafe hatte man ursprünglich angeschafft – im August gab es dann zwei Überraschungen. Holzer erinnert sich: „Es war die zweite Aufführung des Operettensommers, als ich in der Pause nach den Tieren sehen wollte. Gerade in diesem Moment kam ‚Maxl‘ auf die Welt.“ Knapp zwei Wochen später folgte dann Stiefschwester „Resl“. Dass zwei der „Rasenmäher“ trächtig waren, sei anfangs nur ein leiser Verdacht gewesen, der sich mit dem ersten Blöken der Lämmer in goldige Gewissheit verwandelte.

Insgesamt fünf Mitarbeiter kümmern sich nun um die vierbeinigen Gartenarbeiter, wobei diese sehr pflegeleicht sind: Frisches Wasser, ein Leckstein und Quetschhafer als Leckerli reichen laut Holzer aus. Ansonsten dürfen sie sich jeden Tag in einem anderen Bereich der Festung an den saftigen Gräsern bedienen. Im Winter werde man mit Heu zufüttern, ansonsten seien Roussillon-Schafe aber robust genug, um das ganze Jahr auf dem Kufsteiner Wahrzeichen zu verbringen. „Die Rasse stammt aus den Pyrenäen, wo schon mal raue Verhältnisse herrschen“, meint Holzer.

Von links: Felix Weiß, Markus Raithofer, Thomas Holzer und Lisa Mayer (r.) kümmern sich um die sieben tierischen "Rasenmäher" am Festungsberg. Die Idee dazu hatte "Festungsherr" Emanuel Präauer (2. v. r.).
- Jasmine Hrdina

Gewohnt seien die Vierbeiner auch die vielen Besucher auf der Festung. Wobei es keine direkten Berührungspunkte mehr gibt. Die Bereiche, in denen die Vierbeiner grasen, werden mittlerweile abgezäunt, und das hat seinen Grund: „Einige Besucher haben die Tiere wirklich mit allem Möglichen gefüttert. Wir mussten die Schafe vor den Leuten schützen.“ Schwarze Schafe gibt es bekanntlich auch auf zwei Beinen.

Die sieben Schafe sind übrigens nicht die einzigen tierischen Festungsbewohner: Ein Turmfalke nennt den Kaiserturm sein Hoheitsgebiet und hält Tauben fern. Auch Katze „Alma“ schleicht sich gerne hinauf. Im Frühjahr soll Holzer Unterstützung von einem Hirtenhund bekommen.