Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.09.2018


Bezirk Landeck

Wenn dem Gletscherfloh zu heiß wird

Viele sind froh, dass der heurige, besonders heiße Sommer vorbei ist. Aber wie geht es eigentlich einem Gletscherfloh, dessen „Betriebstemperatur“ knapp über dem Gefrierpunkt liegt, mit dem Klimawandel?

© ReichleMit einer Ampel wird dargestellt, wie alpine Tierarten mit dem Klimawandel umgehen – es gibt Profiteure und Verlierer.Foto: Reichle



Von Matthias Reichle

Gacher Blick – Das Thermometer zeigt über 30 Grad, es herrscht drückende Schwüle und kein Regen ist in Sicht – viele sind froh, dass der heurige, besonders heiße Sommer vorbei ist. Aber wie geht es eigentlich einem Gletscherfloh, dessen „Betriebstemperatur“ knapp über dem Gefrierpunkt liegt, mit dem Klimawandel?

Einen tierischen Blick auf diese Entwicklungen bietet neuerdings die Dauerausstellung des Naturparkhauses Kaunergrat am Gachen Blick. Dort wird nämlich aufgezeigt, wie alpine Wildtiere auf die Veränderung reagieren – und da gibt es durchaus deutliche Unterschiede, wie Naturparkgeschäftsführer Ernst Partl erklärt. Erarbeitet wurde das Projekt im Rahmen der Klimawandelanpassungsmodellregion Kaunergrat (KLAR!). Um zu verdeutlichen, wer gut mit dem Klimawandel umgehen kann und wer nicht, wird dabei mit einer Ampel gearbeitet. Der Feldhase zum Beispiel, der in wärmeren Jahren seinen Lebensraum auf höhere Lagen ausdehnen kann, gehört zu den Profiteuren und hat eine grüne Ampel. Sein Verwandter, der Schneehase, hat dadurch einen Nachteil – dort zeigt die Prognose auf rot, erklärt Koordinatorin Ulrike Totschnig. „Kindern ist die Klimaveränderung schwierig zu vermitteln, eine Ampel hingegen ist intuitiv.“

Insgesamt wurden zwölf heimische Tiere unter die Lupe genommen. Auch der Gletscherfloh. Dessen Lebensraum schmilzt ihm buchstäblich unter den sechs Beinchen weg, heißt es in der Ausstellung. Den wissenschaftlichen Hintergrund hat dafür der Biologe und Naturpark-Mitarbeiter Philipp Kirschner erarbeitet.

Gefördert wurde die Ausstellung über RegioL mit dem Programm Leader, wobei die sechs Mitgliedsgemeinden der Modellregion Fließ, Prutz, Faggen, Kauns, Kaunerberg und Kaunertal die Eigenmittel aufbringen.