Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 16.09.2018


Natur

Müll in der Natur: Erster Bericht für Österreich erscheint

Plastikflaschen, Dosen, Zigarettenstummel. Zum Müll in der Natur gibt es österreichweit keine verlässlichen Zahlen. Global 2000 sammelt derzeit Daten für einen Müllbericht.

© Evelyn KnollUmweltaktivisten sammeln den Müll, der in der Natur achtlos weggeworfen wurde.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Wien – Zahlen über die Vermüllung der Meere liegen bereits vor und auch zahlreiche Nationen wie etwa die Schweiz verfügen über so genannte „Littering-Reports“, also Berichte über den Vermüllungsgrad der Länder. Um Maßnahmen gegen die Verschmutzung der heimischen Natur zu setzen, braucht es laut Global 2000 auch hier exakte und verlässliche Zahlen, „die es flächendeckend in Österreich noch nicht gibt“ , sagt Lisa Kernegger von Global 2000.

Mithilfe der Österreicher wird nun eine Situationsanalyse durchgeführt, deren Daten für den ersten Müll-in-der-Natur-Bericht gesammelt werden, der im Oktober veröffentlicht wird. Dass auch den Tirolern dieses Thema ein großes Anliegen ist, hat sich in der Aktionswoche rund um den weltweiten „World Cleanup Day“ am 15. September gezeigt. „Das Echo ist wie in den anderen Bundesländern sehr groß“, freut sich Johannes Frauscher von Global 2000. Seit 10. September „rufen wir die Menschen auf, Müll, den sie auf Spaziergängen vorfinden, zu sammeln und auch mithilfe der DreckSpotz-App zu dokumentieren. Hierbei handelt es sich vor allem um kurzlebige Wegwerfprodukte wie Getränkeverpackungen oder Zigarettenstummel“, erklärt Frauscher. Wie wichtig der aktive Beitrag eines jeden Einzelnen gegen Vermüllung ist, kann Frauscher nur immer wieder betonen: „Müll ist gefährlich für Mensch und Tier. Einmal in der Umwelt angekommen, zersetzt sich Plastik in immer kleinere Teile. Bei diesen Zersetzungsprozessen werden auch für den Menschen gefährliche Schadstoffe wie Bisphenol A oder Phtalate freigesetzt. Wildtiere können durch das Fressen von Abfällen qualvoll ersticken oder sich an scharfen Kanten von Dosen oder zerbrochenem Glas verletzen. Das führt oft dazu, dass sie zu einer leichten Beute werden, weil sie sich nicht mehr ernähren können oder weil sich die Wunden infizieren.“

Doch Kernegger will nicht nur die Konsumenten, sondern auch Produzenten und Handel in die Verantwortung nehmen: „Es braucht viel mehr Mehrweggebinde in den Supermärkten, weil sie die umweltfreundlichste Lösung sind. Gleichzeitig müsste ein Einwegpfand für Einweggebinde eingehoben werden, um die Rücklaufquote zu erhöhen.“ Zudem hofft Global 2000, dass in der geplanten EU-Richtlinie zur Vermeidung von Plastik der Passus bleibt, dass Produzenten auch die Abfallwirtschaftskosten und Aufräumaktionen von Plastikeinwegprodukten mitzahlen müssen.

Auf der DreckSpotz-App wird der Fund dokumentiert.
- Evelyn Knoll