Letztes Update am Mi, 07.11.2018 07:49

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

Tauben, Enten, Biber: Tierische Probleme einer Stadt

Füttern verboten – im Sinne des Tierschutzes: Die Stadt appelliert an die Bevölkerung, keine Lebensmittel an Enten, Tauben oder auch Ratten zu verfüttern. Von einer Plage will man aber keinesfalls sprechen.

© Julia HammerleBereits seit einigen Jahren ist das Füttern von Tauben im Innsbrucker Stadtgebiet verboten.



Von Marco Witting

Innsbruck – Nein. Von einer „Plage“ könne man in Innsbruck keinesfalls sprechen. Weder bei den Tauben noch bei den Ratten. Aber, so bestätigt Peter Brühwasser (er ist Leiter einer städtischen Arbeitsgruppe mit dem schlichten, aber markanten Titel „Ratten“), es gibt durchaus Probleme mit „Wildtieren“, wie sie stadtintern bezeichnet werden. Oft hervorgerufen durch die Fütterung durch den Menschen und die Folgen.

Viele Menschen hätten gerade vor und im Winter Freude daran, die Tiere mit Lebensmitteln zu füttern. Dem Tier zuliebe, wie die Menschen fälschlicherweise glauben. Sophie-Marie Gschaider, Referatsleiterin für Veterinärwesen, sagt dazu: „Das Futter ist nicht artgerecht und stellt für die Tiere eine Gesundheitsgefährdung dar.“ Dieses Futter, etwa ausgestreute Brotkrumen, sei wie „Junk-Food“ für die Tiere. Leicht verfügbar und nicht gesund. Viel Nahrung heiße auch immer: große Populationen. Brot in einem See für Enten hat zudem Folgewirkungen auf das Gewässer und zieht Ratten an – und auch die vermehren sich dann viel schneller.

Über die Größe einer Tierpopulation würden Nahrungsangebot und Nistmöglichkeiten entscheiden. „Im Sinne des Tierschutzes sollten in erster Linie diese beiden kausalen Faktoren reduziert werden“, sagt Brühwasser. Wildtiere würden durch die Fütterungen den natürlichen Trieb, sich selbst Futter wie Pflanzen und Insektenlarven zu suchen, verlieren. „Dabei ist genug davon da. Auch im Winter“, sagen die Experten der Stadt. Tauben würden bei natürlicher Ernährungsweise auf Futtersuche mühelos 40 Kilometer zurücklegen. Durch das „Junk-Food“ der Menschen leiden sie dann aber an Bewegungsmangel.

In Innsbruck gibt es seit Jahren ein Taubenfütterungsverbot, das so, gesteht man ohnehin ein, nur schwer zu vollziehen ist. Theoretisch drohen Strafen bis zu 360 Euro. Stattdessen will man an die Eigenverantwortung und das Bewusstsein der Bevölkerung appellieren. Rechtlich ist auch das Ausstreuen von Futter in der Umgebung von Wasserflächen oder auch auf öffentlichen Plätzen verboten. Die Verbote zielen darauf ab, die Bestände zu reduzieren bzw. sie zu stabilisieren. Eine Quantifizierung der Bestände von Tauben oder Ratten in Innsbruck gibt es nicht. Klar sei, durch Taubenkot gibt es Schäden an Gebäuden. Durch Rattenbauten werde die Garten- und Parkgestaltung schwieriger.

Dr. Peter Brühwasser, Leiter Arbeitsgruppe "Ratten", Stefan Engele, Referatsleiter Grünanlagen, Mag. Sophie-Marie Gschaider, Referatsleiterin Veterinärwesen, Mag. Monika Eder-Trenkwalder, Biberbeauftragte des Landes Tirols und Margit Hueber von den IKB.
- Stadt Innsbruck

„Der Innenstadtbereich ist am stärksten betroffen“, sagt Brühwasser. Das liege an den Fütterungen dort. Den Tieren keine Lebensmittel ausstreuen, Kellerfenster vergittern, Müllinseln sauber halten, Abfälle sauber verschließen – das sind die Tipps der Experten für den richtigen Umgang mit den Tieren. Innsbruck zählt übrigens derzeit drei Biberpopulationen. Auch hier weist die Beauftragte des Landes, Monika Eder-Trenkwalder, darauf hin, dass die Tiere unter Schutz stehen und man nicht eigenmächtig Bauten der Tiere zerstören soll. Das führe außerdem dazu, dass der Biber immer mehr Behausungen baue.