Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.11.2018


Innsbruck-Land

Halber Rehbock-Kadaver aufgefressen: Jäger vermutet Wolf bei Zirl

Eine DNA-Analyse soll klären, wer für den Tod eines Rehbocks verantwortlich ist. Da der halbe Kadaver aufgefressen wurde, wird ein Wolf als Täter nicht ausgeschlossen.

© BöhmDie Jäger sehen keinen Lebensraum für Wölfe (hier im Innsbrucker Alpenzoo) in der freien Wildbahn in Tirol.



Von Thomas Hörmann

Zirl – Der Tod eines Rehbocks sorgt in Zirl für Spekulationen. Jagdpächter und Aufsichtsjäger Franz Reinhart schließt nicht aus, dass das Tier einem Wolf zum Opfer fiel: „Immerhin wurde der halbe Kadaver gefressen“, meint Reinhart: „Wenn’s ein Hund war, muss es ein großer gewesen sein, mit einem ebenso großen Appetit.“ Aber in der Regel würden wildernde Hunde nur einen kleinen Teil der Beute verspeisen: „Bei ihnen geht’s vor allem um den Jagdtrieb. Wölfe töten hingegen, um zu fressen“, argumentiert der Zirler.

Es war am Dienstagmorgen, als der Jagdpächter den Rehbock im Revier Zirl Nord im Bereich von Hochzirl entdeckte. „Das Tier war noch nicht lange tot“, so der Fachmann, der bereits die zuständige AGES (Agentur für Ernährungssicherheit) über den Vorfall informiert hat: „Um festzustellen, ob tatsächlich ein Wolf das Wild getötet hat, soll jetzt ein DNA-Test gemacht werden.“

Martin Janovsky, Wildtier-Beauftrager des Landes, schließt keinesfalls aus, dass im Gebiet von Zirl ein Wolf unterwegs ist: „Grundsätzlich kann jederzeit und an jedem Punkt Tirols ein Wolf auftauchen.“ Dennoch bleibt der Experte skeptisch: „Dass von einem Kadaver nicht mehr viel übrig bleibt, ist kein stichhaltiges Argument für einen Wolfriss.“ Immerhin sei nicht ausgeschlossen, dass auch andere Tiere „mitgefressen“ haben.

Jagdpächter Reinhart räumt durchaus ein, dass auch herrenlose Hunde immer wieder durchs Revier streifen. „Aber zurzeit nicht. Wir Jäger sind ja ständig in der Gegend unterwegs. Ein Hund wäre sicher aufgefallen.“

Obwohl auch ein Luchs immer wieder im Raum Zirl unterwegs ist, gilt für die größte Raubkatze Europas die Unschuldsvermutung: „Ein Luchs greift die Beute üblicherweise von vorne an, Hunde und Wölfe kommen von hinten“, weiß Reinhart: „Der Rehbock wurde eindeutig von hinten gerissen.“