Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.12.2018


Bezirk Kufstein

Ein Herz für die „Schönen am Inn“

Im Frühjahr entdeckte Renate Peer eine Schwanenfamilie am Inn bei Langkampfen. Seither kümmert sich die Kufsteinerin um die gefiederten Tiere und rettete einem sogar das Leben.

Peer sieht fast täglich nach den Eltern und ihren verbliebenen drei Jungschwänen.

© PeerPeer sieht fast täglich nach den Eltern und ihren verbliebenen drei Jungschwänen.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Mit einem Sackerl voll Haferflocken in der Hand spaziert Renate Peer am Inn­ufer bei Langkampfen entlang und hält Ausschau nach ihren gefiederten Freunden. „Guten Morgen, ihr Schönen“, ruft die 69-Jährige in Richtung Wasser. Dort wohnt eine siebenköpfige Schwanenfamilie, die das Herz der Kufsteinerin erobert hat. Die Vögel bekommen von der Rentnerin nicht nur schmackhafte Imbisse serviert, die Frau hat einem der Nachkömmlinge vermutlich sogar das Leben gerettet.

Renate Peer entdeckte die Tiere.
Renate Peer entdeckte die Tiere.
- Peer

Im April entdeckte Peer die zwei erwachsenen Schwäne mit ihren fünf flauschigen Küken am Rand des Innradwegs zwischen Kufstein und Kirchbichl. „In den Jahren zuvor sind viele Schwäne in der Gegend gestorben. Ich dachte mir, ich werde die Tiere mit ein paar Haferflocken stärken“, berichtet Peer. Alle zwei bis drei Tage schaute sie nach ihrem watschelnden Gefolge. „Das sind Wildtiere und sie wissen prinzipiell schon, wie man sich selbst versorgt“, betont die Schwanen-Freundin. Wie sich später herausstellen sollte, waren ihre Sorgen um die Tiere aber gerechtfertigt. „Ich habe bemerkt, dass eines der Küken eine Beinverletzung hatte, und sofort das Tierheim in Wörgl angerufen. Dort hat man mich ans Haus der Tiere am Achensee verwiesen, die mich dann unterstützten“, so Peer.

Zwei von ihnen kurieren ihre Beinverletzungen bis zum Frühjahr in einer Wildvogel-Station am Achensee.
Zwei von ihnen kurieren ihre Beinverletzungen bis zum Frühjahr in einer Wildvogel-Station am Achensee.
- Peer

So fasste die 69-Jährige Mut und pirschte sich vorsichtig an den verletzten Schwan heran – das Fauchen der Elterntiere imponierte ihr durchaus. „Ich musste schon beherzt sein“, sagt die gebürtige Innsbruckerin. Schließlich gelang es ihr aber, das Jungtier mit einem Handtuch zu fassen und in ihr Auto zu manövrieren. „Das Junge hat mir die Polster schmutzig gemacht. Es hatte ja jede Menge Angst“, lacht Peer heute über diese Aktion.

Das verletzte Tier darf sich bis zum Frühjahr bei den Tierpflegern in Maurach am Achensee auskurieren. Und hat dort überraschenderweise einen bereits bekannten Mitbewohner bekommen. Auch sein Geschwisterchen hatte sich im Sommer verletzt, wurde vom Tierschutzverein für Tirol 1881 eingefangen und in die Auffangstation gebracht. „Offenbar gibt es noch mehr aufmerksame Spaziergänger“, freut sich Peer über die Unterstützung. „Die anderen drei Jungtiere gedeihen prächtig. Sie haben gute Chancen, den Winter zu überleben.“

Bei einer Radtour im April entdeckte Peer erstmals die Schwanenfamilie.
Bei einer Radtour im April entdeckte Peer erstmals die Schwanenfamilie.
- Peer

Durch Gesetz geschützt

Kufstein — Schwäne sind eine weltweit verbreitete Tierart und fühlen sich auch außerhalb gemäßigter Zonen heimisch. In Hamburg leben derart viele dieser Entenvögel, dass die Stadt einen eigenen Schwanenbeauftragten hat. In Tirol gibt es kein solches Amt, die Wildvögel sind aber über die Tiroler Naturschutzverordnung 2006 geschützt. Die edlen Tiere dürfen somit weder absichtlich gefangen, getötet, gestört noch gehalten werden.

Wie viele Schwäne in Tirol leben, ist derzeit nicht bekannt — 2017 wurde der Bestand aller Brutvögel im Bezirk Kufstein erhoben. Die Daten würden derzeit ausgewertet, berichtet Christoph Arnold, Abteilung Umwelt in der Bezirkshauptmannschaft Kufstein, auf Anfrage der TT.

Gesunde Tiere seien auf die Hilfe der Menschen nicht angewiesen, auch nicht im Winter, rät der Experte, Abstand zu halten. „Wasservögel sollten generell nicht gefüttert werden. Es besteht die Gefahr, dass sie durch eine (falsche) Fütterung selbst Schaden nehmen, ihr natürliches Verhalten verlernen und die Scheu vor dem Menschen verlieren", warnt Arnold. Durch Überfütterung könnten heimische Gewässer verunreinigt werden. (jazz)