Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.01.2019


Exklusiv

Angeblicher Wolfsriss: DNA-Analyse und Entschädigung gefordert

Nach dem Vorfall um getötetes Herdentier auf einer Kauner Schafwiese Ende Oktober ist die Ermittlung offiziell noch nicht abgeschlossen. Die Kammer mit Ermittlungen unzufrieden.

Tatort Schafwiese unweit der Burg Berneck: Wie der Widder getötet wurde, scheint unklar zu sein.

© WenzelTatort Schafwiese unweit der Burg Berneck: Wie der Widder getötet wurde, scheint unklar zu sein.



Von Helmut Wenzel

Kauns – Groß war die Aufregung, als Ende Oktober ein Schafbauer den verstümmelten Kadaver eines Widders auf der Kauner Schafwiese fand. Der Herdenbesitzer war entsetzt. Sein erster Verdacht: Es könnte ein Wolfsriss gewesen sein – die TT berichtete.

Das mehrstufige Ermittlungsverfahren ist für Klaus Wallnöfer, Leiter der Abteilung Landwirtschaftliches Schulwesen, Jagd und Fischerei, noch nicht abgeschlossen. Zumindest kann der Jurist ausschließen, dass es „auf Grund der gutachterlichen Stellungnahme“ ein Wolfsriss war. „Ein Wolf beißt auch das Knochenmark heraus. Das war aber nicht der Fall.“ Womit der Besitzer der Schafherde auch keinen Anspruch auf finanzielle Abgeltung habe.

Ob ein Fuchs als „Täter“ in Frage kommt, will Wallnöfer „wegen des laufenden Verfahrens“ nicht bestätigen. Jedenfalls würden auf Grund der geltenden Richtlinien nur Schäden von großen Beutegreifern (Wolf, Bär, Luchs) abgegolten. Zum Beispiel sei für die Bienenstöcke, die der „Pfundser“ Bär 2018 geplündert hatte, eine Entschädigung bezahlt worden.

Übrigens habe es voriges Jahr im Oberland mehrere „vermeintliche“ Wolfsrisse gegeben, so Wallnöfer.

Elmar Monz, Obmann der Bauernkammer Landeck, sieht den Fall Kauns anders: „Es war zuerst ein Wolfsriss. Danach hat sich ein Fuchs am Kadaver zu schaffen gemacht und Spuren hinterlassen.“ Damit sind, so Monz, die Wolfsspuren verwischt worden.

Das Ermittlungsverfahren halte er für unbefriedigend, sagte Monz am Montag: „Das muss viel schneller gehen. Ein rasches Ergebnis ist wichtig, damit Vorkehrungen getroffen werden können.“ Der betroffene Schafbauer soll entschädigt werden, „auch wenn es nur DNA-Spuren von einem Fuchs gibt“, hob der Kammerobmann hervor.

Die „Fuchs-DNA“ auf TT-Anfrage bestätigt hat gestern Eduard Martin, Amtstierarzt an der BH Landeck. „Der Kadaver ist von einem Fuchs stark genutzt worden“, schilderte Martin. Er habe die Proben „unverzüglich nach Auffinden des Tierkörpers“ gezogen und eingereicht. Ob das männliche Schaf vorher von einem Wolf „gerissen“ wurde, schließt er nicht aus: „Aber einen Nachweis dazu gibt es nicht.“

Auch wenn er Details zur schaurigen Attacke nicht kennt, plädiert Bürgermeister Mathias Schranz für Wachsamkeit im Dorf: „Der Fall hat gezeigt, dass wir Angriffe von Beutegreifern nicht ausschließen können. Derartiges sollte sofort gemeldet werden.“