Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 26.01.2019


Tiere

Wild im Winter: Füttern oder nicht ist die Frage

Der Winter setzt dem Wild zu: Der Jägerverband rechnet mit überdurchschnittlichem Ausfall, die Bundesforste nehmen nach Protest aufgelassene Futterstellen wieder in Betrieb.

Das Wild hat in diesen Tagen nicht nur mit dem Schnee zu kämpfen, auch die Wintersportler erschrecken die Tiere.

© iStockphotoDas Wild hat in diesen Tagen nicht nur mit dem Schnee zu kämpfen, auch die Wintersportler erschrecken die Tiere.



Von Irene Rapp

Innsbruck – Bilder von bis zum Hals in Schnee steckenden Hirschen, Rehen und Gämsen hat man in den vergangenen Wochen viele gesehen. Vom 1. Oktober bis 15. Mai ist das heimische Wild laut Tiroler Jagdgesetz zu füttern – „und das ist in einem Winter wie diesem bitter notwendig“, sagt Landesjägermeister Anton Larcher.

In den meisten der 1250 Jagdreviere in Tirol sei das auch der Fall, in einigen aber nicht. So hat etwa der Forstbetrieb Unterinntal der Österreichischen Bundesforste zuletzt zahlreiche Rot- sowie Rehwildfütterungen eingestellt. Das sorgt unter Jägern schon seit Längerem für Diskussion – zuletzt sogar für scharfe Worte.

„Wird das Wild in diesem Winter nicht gefüttert, grenzt das an Tierquälerei“, sagt Larcher. Früher seien Reh und Hirsch auf die Felder und in die Auen gezogen, das wäre heute allerdings nicht mehr möglich. „Die Almen wiederum sind so abgegrast, dass sie dort auch nichts finden“, zeigt Larcher Unverständnis. In dieselbe Kerbe schlägt Kitzbühels Bezirksjägermeister Martin Antretter. „Bei uns im Unterland sind viele Reviere umgeben von Großskiräumen. Da ist eine natürliche Überwinterung unmöglich.“

„Das Wild hat Strategien, um den Winter zu überleben, sonst wäre es bei uns nicht heimisch“, meint hingegen Hermann Schmiderer, Leiter des Forstbetriebes Unterinntal der Bundesforste (ÖBf). Rund 91.000 Hektar Fläche – davon 45.000 Hektar Wald – werden von den ÖBf im Unterinntal bewirtschaftet. Und nicht zuletzt aufgrund der vergangenen Wochen hätte man in Kirchberg sogar wieder eine Notfütterung für Rehe und Hirsche eingerichtet.

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„Wir lassen die Tiere nicht verhungern. Es könnten daher noch weitere Notfütterstellen dazukommen“, sagt Schmiderer. Für ihn steht allerdings auch fest: „Es gibt in vielen Revieren eine Überpopulation an Schalenwild“ – mit all den bekannten Problemen von Wildverbiss und Jungbäumen, die in der Folge nicht aufkommen können. Und noch eines gibt Schmiderer zu bedenken: „Wer füttert denn Fuchs und Hase?“

So oder so rechnen die Jäger aufgrund des harten Winters mit einer überdurchschnittlich hohen Wildreduktion. „Bei den Jungen und Schwachen könnten 40 Prozent nicht überleben“, sagt Antretter. „Eine höhere Fallwildquote ist sicher“, betont auch Schmiderer. „Entscheidend ist, wie der Winter weiter verläuft“, so Larcher. Denn bleibe es sehr kalt samt einhergehender gefrorener Schneedecke, könnte es zahlenmäßig auch bei Gämsen und Steinböcken dramatisch bergab gehen.

Genug Stress fürs Wild also, Stress geht allerdings auch von den immer zahlreicher werdenden Wintersportlern aus. Rot-, Reh- und Gamswild überstehen den Winter nämlich u. a., indem sie ihren Stoffwechsel herunterfahren. Energie sparen lautet die Devise. „Werden sie jedoch von Freeridern oder Tourengehern aufgeschreckt und müssen flüchten, schwächt sie das zusätzlich“, sagt Larcher.

Seine Bitte: Wildfütterstellen umgehen und sich an die ausgewiesenen Routen – zahlreiche davon gibt es z. B. auch schon für Skitourengeher – halten.