Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 31.01.2019


Hitze im Sommer

Grüne Wände, schlaue Winde: Abkühlende Ideen für Städte gesucht

Der nächste Sommer kommt bestimmt. Mit gezielten Baumaßnahmen lässt sich die Hitze vermeiden. Jetzt sucht ein Wettbewerb nach abkühlenden Ideen, die jeder umsetzen kann.

Mehr Schatten: Eigentlich ganz logisch, trotzdem werden natürliche Schattenspender oft bei der Planung eines Platzes vernachlässigt – manchmal bewusst, zum Beispiel aus ästhetischen oder finanziellen Gründen.

© istockMehr Schatten: Eigentlich ganz logisch, trotzdem werden natürliche Schattenspender oft bei der Planung eines Platzes vernachlässigt – manchmal bewusst, zum Beispiel aus ästhetischen oder finanziellen Gründen.



Von Matthias Christler

Innsbruck – Jetzt an Hitzewellen zu denken, fällt nicht leicht, doch mit dem Überlegen neuer Ideen kann man nicht früh genug beginnen. Denn das Leben in Städten wird ohne gezielte Maßnahmen durch Klimawandel und immer mehr versiegelte Flächen zu einer hitzigen Angelegenheit. Der Klima- und Energiefonds startet deshalb morgen den Ideenwettbewerb „Cooling the City“, bei dem jeder, der in Österreich seinen Wohnsitz hat, teilnehmen kann. Eine Jury wählt 50 Ideen aus, die mit 500 Euro belohnt werden. „Wir wollen den Wettbewerb niederschwellig halten, damit Vorschläge kommen, die für jeden umsetzbar sind“, sagt Katja Hoyer vom Klimafonds.

Wasseroasen: Landschaftsplanerin Doris Schnepf verweist auch auf den Österreich-Pavillon bei der Expo 2015 in Mailand, „Breathe.Austria“ (im Bild), bei dem sie beteiligt war. „Dort haben wir gezielt Vernebelung eingesetzt.“
Wasseroasen: Landschaftsplanerin Doris Schnepf verweist auch auf den Österreich-Pavillon bei der Expo 2015 in Mailand, „Breathe.Austria“ (im Bild), bei dem sie beteiligt war. „Dort haben wir gezielt Vernebelung eingesetzt.“
- green

An den großen Veränderungen arbeiten schon andere, wie zum Beispiel Landschaftsplanerin Doris Schnepf. Um die Hitze unter Kontrolle zu bringen, müsse man vor allem die Exposition eines Gebäudes beachten, die Beschattung, den Wind, die Materialwahl und die Pflanzen, sagt die Wienerin. „Oft kann man eine Baustruktur nicht mehr ändern, dann gibt dir die Bepflanzung einen ordentlichen Spielraum.“

Bepflanzte Gebäude: Grünflächen sind ein wirksames Mittel gegen Hitze. Das Wasser aus den Pflanzen verdunstet und kühlt die Umgebung ab. Doris Schnepf hat mit dem Start-up „Greenpass“ eine Software entwickelt, die Mikroklima bei einem Gebäude simuliert.
Bepflanzte Gebäude: Grünflächen sind ein wirksames Mittel gegen Hitze. Das Wasser aus den Pflanzen verdunstet und kühlt die Umgebung ab. Doris Schnepf hat mit dem Start-up „Greenpass“ eine Software entwickelt, die Mikroklima bei einem Gebäude simuliert.
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Das Stadtklima spielt genauso bei Simon Tschannett von „Weatherpark“ eine Rolle. „Es wird Hitzewellen geben, die viel länger sind als zu den Zeiten vor 50, 100 Jahren, als die meisten Gebäude von Städten wie Innsbruck gebaut worden sind.“ Er berechnet unter anderem, wie der Wind durch die Straßen pfeift oder eben nicht, wenn ein neues Hochhaus an der falschen Stelle gebaut wird. In Innsbruck könnte sogar der Föhn genutzt werden, meint er, indem man große Windtürme baut, die einen Kühlungseffekt haben.

Diese Visionen könnten Inspiration für kleine Ideen sein, die man sich für den Wettbewerb erhofft. „Das kann alles sein“, sagt Hoyer, „ein neuer Brunnen im Stadtteil, dass ungenutzte Parkplatzflächen begrünt werden oder ein Hochbeet, das gleichzeitig Schatten spendet.“ Ab morgen ist die Registrierung unter smart-city-award.at möglich, ab Mai können die Videos eingereicht werden.

Den Wind steuern: "Es geht darum, frische Luft in die heißen Städte hineinzubekommen", sagt Simon Tschannett, der das mit dem Unternehmen "Weatherpark" berechnet.
Den Wind steuern: "Es geht darum, frische Luft in die heißen Städte hineinzubekommen", sagt Simon Tschannett, der das mit dem Unternehmen "Weatherpark" berechnet.
- Weatherpark