Letztes Update am Mi, 06.02.2019 09:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Israel

Wie im Whirlpool: Massenhaft Haie vor Israels Küste

Seit Ende November wurden vor der Küste Israel Dutzende Haie gesichtet. Anziehen könnte die Tiere das warme Wasser aus einem nahegelegenen Kraftwerk.

(Symbolfoto)

© PantherMedia / Jochen Hofmann(Symbolfoto)



Chadera – Vor der Küste Israels sind in den vergangenen Monaten ungewöhnlich viele Haie gesichtet worden. Sie sammeln sich im flachen Wasser vor dem Küstenort Chadera. „Hier tummeln sich manchmal 50 bis 100 Haie“, sagte Meeresforscher Ejal Bigal. Eine derart große Population an Sandbank- und Schwarzhaien sehe man selten. Angezogen würden sie wohl von warmem Wasser, das aus einem Kraftwerk ins Meer fließt.

Bigal untersucht seit vier Jahren, was die Tiere ins östliche Mittelmeer treibt. In den letzten 100 Jahren seien 95 Prozent der Mittelmeer-Haie ausgerottet worden. Da sie flaches Wasser nahe der Küste bevorzugten, seien sie schneller von Fischern gefangen worden, erzählte der Wissenschafter der Universität Haifa. Zudem würden sich Sandbankhaie (Carcharhinus plumbeus) spät fortpflanzen – oft erst nach 20 Jahren. Umso erstaunlicher sei es, so viele Exemplare der gefährdeten Art an einem Ort zu sehen.

Nahegelegenes Kraftwerk macht „Whirlpool“

Die Forscher um Bigal sehen das nahegelegene Kraftwerk als Grund für die Anwesenheit der vielen Haie. Es leitet warmes Wasser ins Meer und genau dort sammeln sich die Tiere - „mitten im Whirlpool“, scherzte Bigal. Kürzlich fingen die Wissenschafter an, neben Blut-und Gewebeproben auch Ultraschallbilder von den Tieren zu sammeln.

Möglicherweise locke auch Fischreichtum die Jäger in die Gegend. Fest steht, dass jedes Jahr andere Haie kommen. Das weiß Bigal, da er bereits 41 Tiere mit Sensoren versehen hat, um ihre Wege nachzuverfolgen. Zwei Sandbankhaie seien bereits vor zwei Jahren in Chadera gewesen, die übrigen seien Neulinge.

„Shark Watching“ nicht verhinderbar

Für Bigal ist Chadera ein einzigartiger Ort – im guten wie im schlechten Sinn: Zwar sind die Bedingungen durch das Kraftwerk künstlich, doch das flache Wasser sei ein „Labor mitten in der Natur“. Man müsse die Tiere nicht aus dem Wasser ziehen, um sie zu untersuchen. Allerdings fragt er sich, ob die Nähe zum Menschen ideal sei. Taucher tummeln sich gern zwischen den Tieren, vom Strand aus sind die Haie mit bloßem Auge erkennbar.

„Man wird ‚Shark Watching‘ nicht verhindern können“, meint Bigal. Er sieht darin eine Chance, Menschen aufzuklären. Schließlich seien Haie enorm wichtig für das Ökosystem, weil sie kranke Meerestiere fressen und Populationen anderer Spezies kontrollieren.

Die Wissenschafter gehen davon aus, dass sie die Haie noch bis Mai beobachten können. Dann wandern die Tiere erfahrungsgemäß wieder in kühlere Gewässer. (APA/dpa)




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