Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.02.2019


Osttirol

Nationalpark Hohe Tauern erarbeitet neuen Managementplan

Alle zehn Jahre schreibt der Nationalpark Hohe Tauern seine Ziele neu fest. Strenge Schutzvorgaben dürfen nicht verwässert werden.

Mindestens 75 Prozent der Nationalpark-Kernzone müssen völlig naturbelassen bleiben, lautet eine Vorgabe der so genannten IUCN-Kriterien, die für den Nationalpark Hohe Tauern gelten.

© OblasserMindestens 75 Prozent der Nationalpark-Kernzone müssen völlig naturbelassen bleiben, lautet eine Vorgabe der so genannten IUCN-Kriterien, die für den Nationalpark Hohe Tauern gelten.



Von Catharina Oblasser

Matrei – Bis zum heurigen Sommer soll es so weit sein: Dann will der Tiroler Anteil des Nationalparks Hohe Tauern eine Neuauflage des Nationalpark-Managementplans erstellt haben. Zurzeit arbeiten die Gremien am Entwurf, vergangene Woche traf sich etwa die Interessengemeinschaft (IG) der Grundbesitzer zur Vollversammlung und zum Gedankenaustausch.

„Dieser Plan schreibt Ziele fest und die entsprechenden Maßnahmen, um die Ziele umzusetzen“, beschreibt Nationalpark-Direktor Hermann Stotter den groben Rahmen des Vorhabens. Viele Themen sind darin enthalten, zum Beispiel die geplante Weiterentwicklung beim Haus des Wassers im Defereggen, die Zusammenarbeit mit dem Tourismus, die Pflege der Kulturlandschaft, Bildung und vieles mehr.

In der Neuauflage des Managementplans geht es nicht so sehr um großartige Änderungen, sondern um die Besinnung auf das Wesentliche. „Wichtige Punkte sollen festgeschrieben werden und wieder im Bewusstsein verankert werden“, erklärt Stotter. Ein Beispiel dafür ist das Freihalten der Nationalpark-Kernzone. „Es gilt, dass mindestens drei Viertel dieser Zone völlig naturbelassen bleiben müssen“, so der Nationalparkdirektor. So schreiben es die so genannten IUCN-Kriterien vor, die seit 2006 im Tiroler Anteil des Nationalparks Hohe Tauern gelten. IUCN steht für „International Union for Conservation of Nature“, zu deutsch etwa „Weltnaturschutzunion“.

Was diesen Punkt betrifft, so haben die Grundbesitzer keinen Grund zur Klage, sagt der Kalser Altbürgermeister Klaus Unterweger. Er ist Obmann der IG der Grundbesitzer. „Die Art der Grenzziehung zwischen Kern- und Außenzone schließt Konflikte mit der Almwirtschaft aus“, stellt er fest. Das Einvernehmen mit den Grundbesitzern bezeichnet auch die zuständige Referentin, LHStv. Ingrid Felipe, als enorm wichtig – liegt doch der Tiroler Nationalparkanteil zu 100 Prozent auf privatem Grund.

Doch nicht nur die Grundbesitzer – darunter prominent der Österreichische Alpenverein – reden beim neuen Managementplan mit. Auch Wildbiologen, die Jägerschaft, der TVB Osttirol, die Nationalpark-Partnerbetriebe und die Bürgermeister der zehn Osttiroler Nationalpark-Gemeinden sind mit im Boot, wenn es um die Zielsetzungen geht.

Der Nationalpark Hohe Tauern ist das größte Schutzgebiet dieser Art im Alpenraum. Er erstreckt sich über Salzburg, Kärnten und (Ost-)Tirol. Die Kernzone im Tiroler Anteil ist 347 Quadratkilometer groß, die Außenzone umfasst 264 Quadratkilometer.