Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 24.02.2019


Tirol

Glettler in Galtür: „Trauern und danken für das Leben“

Am Seitenaltar der Pfarrkirche Mariä Geburt brannten gestern 38 Kerzen — zur Erinnerung an die Menschen, die vor 20 Jahren den Lawinentod starben.

Zahlreiche Einheimische und Angehörige der Lawinenopfer besuchten den Erinnerungsgottesdienst.

© WenzelZahlreiche Einheimische und Angehörige der Lawinenopfer besuchten den Erinnerungsgottesdienst.



Von Helmut Wenzel

Galtür — „Wir sind zusammengekommen, um zurückzuschauen auf die Lawine, um zu trauern. Aber auch, um für das Leben zu danken. Und wir sind dankbar für vieles, was sich inzwischen wieder normalisiert hat." So hieß Bischof Hermann Glettler die Teilnehmer des Erinnerungsgottesdienstes gestern Samstag kurz nach 17 Uhr willkommen. Die Galtürer Pfarrkirche Mariä Geburt war wie erwartet voll besetzt. Einheimische wohnten der sakralen Zeremonie ebenso bei wie zahlreiche Gäste bzw. Angehörige der 38 Opfer in Galtür und Valzur, die vor 20 Jahren den Lawinentod starben. Landeshauptmann Günther Platter war mit einem seiner Vorgänger eingetroffen — mit Wendelin Weingartner, Ehrenbürger von Galtür.

„Erinnerungskultur ist uns wichtig", sagte Bürgermeister Toni Mattle vorab. Den schlichten Gedenkgottesdienst gestalte man seit der Lawine 1999 jedes Jahr an diesem Datum. „Persönlich eingeladen werden auch am 20. Jahrestag nur die Angehörigen der Toten."

Gemeinsam auf dem Weg zur Galtürer Pfarrkirche: TVB-Vorstand Hubert Wiltsche, LH Günther Platter, Bürgermeister Toni Mattle, Bischof Hermann Glettler und Diakon Karl Gatt (v. l.).
Gemeinsam auf dem Weg zur Galtürer Pfarrkirche: TVB-Vorstand Hubert Wiltsche, LH Günther Platter, Bürgermeister Toni Mattle, Bischof Hermann Glettler und Diakon Karl Gatt (v. l.).
- Wenzel

In den vergangenen Tagen sei sehr viel geschrieben worden, eigentlich zu vieles, sagte der Bischof. „Wissenschaftliche Analysen und psychologische Analysen sind gemacht worden. Alles Mögliche ist wieder ins Gedächtnis gerufen worden, manches auch aus Sensationslust", zeigte Glettler auf. Eine Anregung dazu sei vermutlich auch durch die heftigen Schneefälle und hohe Lawinengefahr im Jänner gekommen.

„Aber das ist jetzt vorbei. Wir sind hier, um Gott für das Leben zu danken." Gleichzeitig sollte man, so der Bischof, „auch Trauer mitnehmen, weil das Leben so verletzlich ist".

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Dankbar dürfe er heute sagen, dass in Galtür Menschen vor Ort waren, die in den dunklen Stunden das Entscheidende getan hätten. Dazu nannte er vier Namen: Bürgermeister Toni Mattle, Arzt Friedrich Treidl, Pfarrer Louis Attems und Diakon Karl Gatt. „Das war das erste Einsatzkommando vor Ort."

Seine Wertschätzung gelte dem großen Zusammenhalt im Dorf — vor der Katastrophe, während der Katastrophe und danach. „Das ist ein schönes Kompliment für Galtür." An diesem Ort spüre man deutlich, „dass wir unser Leben nicht gegen alles absichern können, dass wir verwundbar bleiben, trotz der vielen Investitionen in den Lawinenschutz. Erfreulich ist auch, dass die Galtürer nicht abgewandert sind, sondern ihr Dorf weiterentwickelt haben."