Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 10.03.2019


Natur

Beliebtes Braunes Bergschaf: “Kunden schätzen Naturbelassenheit“

Der Maxnhof in Innsbruck-Arzl gilt als Zentrum für die Zucht des Braunen und Schwarzen Bergschafs. Von hier aus trat die Rasse ihre Aufholjagd an.

Das Braune Bergschaf wurde in Arzl präsentiert.

© ParthDas Braune Bergschaf wurde in Arzl präsentiert.



Von Thomas Parth

Innsbruck-Arzl — Das Braune Bergschaf galt vor 27 Jahren als eine vom Aussterben bedrohte Tierrasse. Dies führte zu EU-Föderungen und zur Gründung eines Zweigvereines des Tiroler Schafzuchtverbandes. „Damals waren wir acht Tiroler Züchter, die rund 100 Schafe hielten", erinnert sich Gründungsobmann Max Stern: „Heute sind wir auf 220 Bauern bei 3000 Schafen angewachsen."

Die kleine Antonia ist begeistert von den Braunen.
Die kleine Antonia ist begeistert von den Braunen.
- Parth

Das Braune Bergschaf wurde bereits zu Zeiten von Kaiser Maximilian gezüchtet, aus dem simplen Grund, weil die Jägerschaft die Farbe Braun trug. „Auch heute noch schätzen Kunden die Naturbelassenheit der braunen Wolle, die nicht gefärbt werden muss", weiß Stern. Neben der Wollproduktion ist die Rasse ein exzellenter Fleischlieferant. „Im Gegensatz zu Importen ist unser Tiroler Produkt geschmacklich hervorragend", unterstreicht Stern.

Er verweist auch auf die Alpung der Tiere während der Sommermonate. „Wir züchten mittlerweile nicht nur das Braune, sondern auch die Untergruppen des Schwarzen und Gescheckten Bergschafs. Alle drei zeichnen sich durch gute Geländegängigkeit aus. Anders als reine Fleischrassen gehen unsere Tiere teils bis zum Gipfel und bewahren so unsere Kulturlandschaft", weiß der Schafzüchter.

Das Braune und Schwarze Bergschaf

Nutztier. Zweimal jährlich bekommt das Braune Bergschaf Nachwuchs. Die Klauen treten sich während der Alpung in der Regel von alleine kurz. Die Schafe werden auf den Almen umzäunt und ein Hirte hält Nachschau.

Fleischlieferant. Geschmacklich ist das Tiroler Lammfleisch ausgezeichnet und hebt sich dadurch von Importen ab. Damit ist es in der Haute Cuisine und beim Griller angekommen.

Schafwolle. Die Wolle des Braunen Bergschafs wurde schon zu Zeiten Kaiser Maximilians von den braun gekleideten Jägern geschätzt. Auch heutzutage verlangen Kunden nach der naturbelassenen, ungefärbten Tierfaser.

Einfach süß. Nicht nur die fünfjährige Antonia, Enkelin von Maxnhof-Bauer Max Stern, streichelt sie gerne: Die kleinen Lämmchen sind sehr sozial, aber keine Haus-, sondern Herdentiere. In der Regel finden 20 Prozent der Tiere in der Zucht Verwendung. Mit vier bis sechs Monaten erreichen sie das beste Schlachtgewicht.

Selbst beim pflegeleichten Braunen Bergschaf hat die moderne Technik Einzug gehalten. „Der Termin für die Schafschur ist bereits fixiert. Da kommt ein Berufsscherer", berichtet Stern. An einem Tag werden 250 Tiere durch den Profi von ihrer Wolle befreit. Und zum Auffinden der Leittiere auf den Almen gibt es mittlerweile GPS-Sender.

In der Regel bekommen die Muttertiere zweimal pro Jahr Nachwuchs. „Im Frühjahr, vor dem Almauftrieb, nach einer fünfmonatigen Tragezeit, kommen die Lämmer zur Welt", weiß Max Stern: „Weniger günstig wäre es, wenn die Lämmer auf der Alm geboren werden, weil so ein neugeborenes Lamm auch für Beutegreifer interessant ist."

Ein ausgewachsener Widder bringt gut 110 Kilogramm auf die Waage. Im Vergleich dazu liegt das beste Schlachtgewicht von Lämmern kurz vor ihrer Geschlechtsreife zwischen 40 und 45 Kilo.

Besonders gern gesehen in der Tiroler Gastronomie ist das klassische Bauernbratl, aber auch Gerichte wie Lammkrone vom Grill und Lammfilet, für die gehobene Küche, finden ihren Anklang.

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 Die Rasse ist pflegeleicht und geländegängig.
Die Rasse ist pflegeleicht und geländegängig.
- Parth