Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 21.03.2019


Bezirk Kufstein

Biberpärchen flutete Felder am Heliport

Mit ihren Dämmen sorgten zwei Biber dafür, dass der Langkampfner Gießenbach über seine Ufer trat. Auch der Helikopter-Landeplatz war gefährdet. Der Biberbeauftragte musste eine Entscheidung fällen.

Aus der Luft betrachtet wird das Ausmaß der Ausuferungen deutlich. Die zwei Biberdämme wurden vor Kurzem abgetragen.

© Heliport KufsteinAus der Luft betrachtet wird das Ausmaß der Ausuferungen deutlich. Die zwei Biberdämme wurden vor Kurzem abgetragen.



Von Jasmine Hrdina

Langkampfen – Der Biber gilt als Gestalter von Lebensräumen und sorgt für eine natürliche Artenvielfalt. Nicht immer ist sein Schaffen jedoch im Interesse der Menschen. Das zeigte sich unlängst in Langkampfen. Zwei der mittlerweile wieder in Tirol beheimateten Säugetiere hatten dort zueinander gefunden, sich ihr Nest gebaut – und wie es für ihre Art üblich ist, ihr Revier – den Gießenbach – mit zwei Dämmen „optimiert“. „Je mehr Wasserfläche vorhanden ist, desto besser ist der Lebensraum“, erklärt der Biberbeauftragte des Bezirks, Wilfried Nairz. Doch mit ihren emsigen Wohnbauplänen fielen die geschützten Tiere bei ihrer Nachbarschaft in Ungnade. Denn ihre Verbauungen führten dazu, dass der Gießenbach immer weiter über seine Ufer trat und die angrenzenden Felder überschwemmte.

Nairz – seit neun Jahren für die pelzigen Nager im Bezirk zuständig – hatte die Bauten bereits im November entdeckt und bei den Behörden Alarm geschlagen. Über den Winter hatte das Pärchen die Dämme erhöht, immer mehr Wasser sammelte sich in den Wiesen. Des Bibers Freud, des Landwirts Leid. Die Grundbesitzer sorgten sich, dass ihre Felder im Frühjahr nicht mehr bewirtschaftet werden könnten – schließlich stieg das Wasser weiter und die Schneeschmelze stand unmittelbar bevor.

Auch beim Helikopter-Landeplatz beobachtete man die Lage genau. Zwar freute man sich über den ungewöhnlichen Besuch verschiedenster Entenrassen, die den neuen „Teich“ aufsuchten. Gleichzeitig wuchs aber die Sorge um die Landebahnlichter im Boden. Bekanntermaßen vertragen sich Stromleitungen und Wasser weniger gut. Und so empfahl der Biberexperte den Behörden, die Dämme abzutragen. „Dem Biber kann man ja schwer vermitteln, dass es irgendwann genug ist“, meint Nairz.

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- Nairz Wilfried

Bis es nun endlich dazu kam, vergingen Wochen. Denn vorläufig schien sich niemand zuständig zu fühlen. Grundbesitzer, Kraftwerksbetreiber, Wasserinteressentschaften – bei der Frage nach der Kostenübernahme hat Nairz mit vielen Menschen zu tun. In Langkampfen kam letztlich die Republik Österreich für die tierische Baukunst zum Handkuss, handelt es sich beim Gießenbach doch um öffentliches Wassergut.

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Die Dämme sind seit Kurzem passé, das schlechte Gewissen des Experten hält sich dabei in Grenzen. „60 bis 80 cm Wassertiefe sind für Biber ausreichend.“ Und die seien am Gießenbach vorhanden. Die Biber scheinen dies offenbar anders zu sehen – ersten Informationen zufolge tragen die Tiere schon wieder fleißig Hölzer zusammen. Ein Interessenkonflikt, der für Nairz leicht zu lösen wäre: Der Mensch beanspruche zu viel Land. Selbst Böschungen würden gemäht und gedüngt, naturnahe Gewässer seien Mangelware. „Wenn nicht alles bis zum letzten Zentimeter von Menschen genützt würde, hätten wir weniger Probleme.“

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- Nairz Wilfried

Biber kehrt zurück

Die Zahl der Biber im Bezirk Kufstein ist in den letzten drei Jahren stabil geblieben. 58 Reviere sind derzeit bekannt, wobei Kufstein tirolweit die größte Biberdichte aufweist. Das hat geografische Gründe: Bei den pelzigen Säugern handelt es sich um „Zuagroaste", meint Biberbeauftragter Wilfried Nairz: „In den 60er-Jahren hatte man Biber wieder in Bayern angesiedelt. Sie zogen dann innaufwärts nach Tirol, wo sie heute 144 Reviere besetzen." Findet ein Biber ein passendes Domizil, verteidigt er dieses gegen seine Artgenossen bis zum Tod. Dadurch komme es laut Nairz auch nie zu einer „Übernutzung" von Gewässern. Daneben stehen Jungtiere auf dem Speiseplan von Fuchs und Uhu. Im Jahr kann ein Biberweibchen bis zu fünf Junge gebären, meist überleben aber nur ein bis zwei von ihnen. Im Alter von zwei Jahren werden die Nachkommen vertrieben und müssen sich ihr eigenes Revier suchen.