Letztes Update am Fr, 05.04.2019 14:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Universität Innsbruck

Wissenschaft zum Mitmachen: Was lebt in meinem Teich?

Frösche, Kröten, Salamander und Co. sind in Tiroler Teichen heimisch, die Bestände gehen allerdings laufend zurück. Ein Forschungsteam am Innsbrucker Institut für Ökologie möchte sich ein Bild der Situation machen und nimmt darum landesweit Teiche unter die Lupe. Interessierte, die das Leben im eigenen Gewässer ergründen möchten, sind gefragt.

Rektor Tilmann Märk, Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe, Michael Traugott und Bürgermeister Georg Willi zeigen am Amphibienteich am Lohbach die Probennahme.

© Universität InnsbruckRektor Tilmann Märk, Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe, Michael Traugott und Bürgermeister Georg Willi zeigen am Amphibienteich am Lohbach die Probennahme.



Innsbruck — Was lebt in meinem Teich? Unter diesem Motto steht ein aktuelles Forschungsprojekt am Institut für Ökologie der Universität Innsbruck. Hintergrund des Projekts namens „Der Frosch im Wassertropfen": Amphibien wie Frösche, Unken und Salamander sind in Tirol heimisch, die Bestände gehen allerdings laufend zurück. Umso wichtiger sind naturnahe (Garten-)Teiche als Rückzugsort für die gefährdeten Tiere. Genau diese will nun das Forschungsteam um Michael Traugott unter die Lupe nehmen und verlässt sich dabei auf die Unterstützung interessierter Tiroler, die das Leben im eigenen Teich ergründen wollen.

Gartenbesitzer sind gefragt

„Bislang war es unmöglich, all die Klein- und Kleinstgewässer in unserem Land auf das Vorkommen der 13 in Tirol heimischen Amphibienarten zu überprüfen", erläutert Traugott. Das soll sich anlässlich des 350. Geburtstags der Universität heuer ändern: In Wasserproben aus den Tiroler Teichen werden die Umwelt-DNA-Spuren der darin lebenden Tiere analysiert. Um an die 100 angestrebten Wasserproben zu gelangen, sind Gartenbesitzer gefragt.

Sie sollen mit einer speziellen — von der Universität zur Verfügung gestellten — Ausrüstung Wasserproben entnehmen. Nach der eDNA-Analyse erfahren sie dann, welche Amphibienarten in ihrem Gewässer leben. „So bekommen wir erstmals einen Einblick in die Diversität der heimischen Gewässer", erklärt Traugott. Auch Bürgermeister Georg Willi ist von der Idee begeistert: „ Das Projekt ermöglicht nicht nur Experten, sondern auch allen Naturbegeisterten, etwas Positives für unsere Umwelt zu bewirken."

Was ist eine eDNA-Analyse?

Wasser-Organismen geben beständig Zellen an das sie umgebende Wasser ab. Die darin enthaltene sogenannte „Umwelt-DNA“, auch „environmental DNA“ oder kurz eDNA genannt, kann isoliert und damit die im Wasser lebenden Arten eindeutig identifiziert werden.

Schädling erforschen und Image aufpolieren

Parallel dazu testen die Wissenschaftler auch das Vorkommen des Chytridpilzes — einem Pilz, der die Haut der Amphibien befällt und weltweit zu einer sehr hohen Sterberate der Tiere führt. „Ursprünglich stammt der Pilz aus Asien, hat aber mittlerweile auch heimische Gewässer infiziert. Bisher haben wir noch keine Anhaltspunkte, wo der Pilz bereits vorhanden ist", so Corinna Wallinger, Mitverantwortliche im Projekt. „Die Biodiversität in Tirol — ob zu Lande oder zu Wasser — ist ein großer Schatz, den es weiterhin zu schützen gilt", bestätigt Ingrid Felipe, Landeshauptmann-Stellvertreterin.

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Bergmolch bzw. Alpenmolch (Ichthyosaura alpestris).
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- Rudi Hofer

Zu guter Letzt wollen die Forscher auch das Image der Amphibien aufpolieren. „Viele finden die tierischen Bewohner von Teichen eklig und schleimig. Mit diesem Projekt möchten wir das Bewusstsein für diese wichtigen und faszinierenden Lebewesen stärken und so auch ihre Schönheit vermitteln. Beispielsweise gibt es auf der Welt kaum etwas Schöneres als das Auge einer Erdkröte", schwärmt Traugott. (TT.com)