Letztes Update am Mo, 08.04.2019 17:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klimaerwärmung

Große Studie: Gletscher verlieren pro Jahr 335 Mrd. Tonnen Eis

Die Gletscherschmelze erhöhte den Meeresspiegel seit 1967 um 27 Millimeter, wie ein internationales Forscherteam mit Beteiligung des Innsbrucker Glaziologen Fabien Maussion nun zeigt.

Das geschmolzene Eis der Gletscher ist für 25 bis 30 Prozent des aktuellen Anstiegs des globalen Meeresspiegels verantwortlich, wie eine aktuelle Studie in "Nature" zeigt.

© Stephan GalosDas geschmolzene Eis der Gletscher ist für 25 bis 30 Prozent des aktuellen Anstiegs des globalen Meeresspiegels verantwortlich, wie eine aktuelle Studie in "Nature" zeigt.



Innsbruck, Zürich – Nicht nur die Eisschilde in Grönland und der Antarktis schmelzen. Auch die Gletscher verloren weltweit seit 1961 in Summe mehr als 9000 Mrd. Tonnen Eis. Allein diese Gletscherschmelze ließ den Meeresspiegel um 27 Millimeter ansteigen, wie ein internationales Forscherteam mit Beteiligung von Innsbrucker Glaziologen im Fachjournal Nature berichten.

Die Wissenschafter unter der Leitung von Michael Zemp von der Universität Zürich haben für ihre Studie klassische Beobachtungen der Gletscher mit Satellitenmessungen kombiniert. Den Forschern stand dadurch eine bisher nicht da gewesene Anzahl an Messdaten bis zurück in die 1960er-Jahre zur Verfügung. Sie konnten dafür auch auf die umfassende Datenbank des „World Glacier Monitoring Service“ zurückgreifen, in die hunderte Forscher weltweit ihre Satellitenanalysen einbrachten. „Unsere Ergebnisse basieren somit nicht auf Prognosen oder numerischen Modellierungen“, erklärte Fabien Maussion vom Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften der Universität Innsbruck in einer Aussendung.

Veränderungen der Eisdicke rekonstruiert

Die Forscher konnten so Veränderungen der Eisdicke von mehr als 19.000 Gletschern weltweit rekonstruieren. Die Messungen an den einzelnen Gletschern gaben dabei Auskunft über die jährlichen Schwankungen, während die Satellitendaten es ermöglichten, den gesamten Eisverlust über mehrere Jahre oder Jahrzehnte zu bestimmen.

Die größten Beiträge zum Anstieg des Meeresspiegels leisteten dabei die Gletscher in Alaska, gefolgt von den schmelzenden Patagonischen Eisfeldern und den Gletschern in den arktischen Regionen. Die Gletscher in den europäischen Alpen, im Kaukasus und in Neuseeland verloren ebenso erhebliche Mengen an Eis, beim Anstieg des Meeresspiegels spielten sie aber aufgrund ihrer relativ kleinen Fläche nur eine untergeordnete Rolle.

Knapp 30 Prozent des Meeresspiegel-Anstiegs durch Schmelze

Global gesehen hat in den vergangenen 30 Jahren der Massenverlust der Gletscher deutlich zugenommen: Derzeit verlieren die Gletscher weltweit 335 Mrd. Tonnen Eis pro Jahr. Diese Schmelze trägt jährlich zu einem Anstieg des Meeresspiegels um knapp einen Millimeter bei. Damit macht das geschmolzene Eis der Gletscher 25 bis 30 Prozent des aktuellen Anstiegs des globalen Meeresspiegels aus.

„Weltweit verlieren wir etwa das Dreifache des in den gesamten europäischen Alpen gespeicherten Eisvolumens – jedes Jahr“, so Zemp. Dieser Eisverlust aller Gletscher entspricht in etwa dem Massenverlust des grönländischen Eisschildes und übersteigt deutlich jenen der Antarktis. (APA, TT.com)