Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 09.04.2019


Bezirk Kitzbühel

“Menschen werden sorgloser“: Frühling bringt Müll ans Licht

Auf die Landwirte im Bezirk Kitzbühel wartet nicht nur im Wald viel Arbeit. Die Wiesen geben wieder einige (böse) Überraschungen preis.

Das Plastik verteilt sich in der ganzen Wiese. Nicht nur beim Malernbauern in Kitzbühel hat die Schneeschmelze den Müll freigegeben.

© Harald AngererDas Plastik verteilt sich in der ganzen Wiese. Nicht nur beim Malernbauern in Kitzbühel hat die Schneeschmelze den Müll freigegeben.



Von Harald Angerer

Kitzbühel – Wenn die weiße Pracht weg ist, kommt nicht das satte Grün der Wiesen, sondern zuerst der Müll zum Vorschein. Vor allem neben Straßen, aber auch bei Winterwanderwegen kommen jetzt unschöne Funde zu Tage. „Natürlich ist das subjektiv, aber ich habe schon das Gefühl, dass die Menschen immer sorgloser werden“, sagt Rudi Widmoser, Umweltreferent der Stadt Kitzbühel. Auch er stellt fest, dass es zum Beispiel um den Schwarzsee am Frühling immer sehr viel Müll ausapert. Von den Hundesackerln bis zu jeder Menge Plastik.

Aber auch die Bauern können ein Lied davon singen, wie sorglos der Müll entsorgt wird. Neben der Straße findet sich von Plastiksackerln bis hin zu Bierflasche und Schachteln von Fastfood-­Restaurants alles, was nicht in die Wiese gehört. Aber auch die Spuren vom Silvester sind noch zu finden.

„Die Holzstecken der Raketen sind wir ja schon gewöhnt“, sagt Johann Obernauer vom Malernhof in Kitzbühel schon fast resignierend. Aber heuer haben die Verschmutzungen ein neue­s Niveau erreicht. Offenbar haben einige eine Silvesterparty auf einem seiner Felder veranstaltet, mit Danach-Aufräumen war aber nix. „Die haben einfach alles liegen gelassen, von den Flaschen bis zu den Überresten der Raketen“, schildert Rosemarie Obernauer. Für sie bedeutet das aber jetzt viel Arbeit. So hat ein Sprengkörper offenbar viele kleine Sterne abgefeuert, die liegen jetzt auf der Wiese verstreut. „Die muss man alle mit der Hand aufsammeln, sonst haben wir die im Futter“, ärgert sich Obernauer.

Sie und ihr Mann können nur den Kopf schütteln über so viel Gleichgültigkeit. „Alle wollen immer bessere Lebensmittel, vom Tierwohl ist überall die Red­e, und dann verteilen sie das Plastik bei uns am Feld. Das passt nicht zusammen“, sagt der Malernbauer. Hier wär­e ein Umdenken dringend notwendig. Das sieht auch Umweltreferent Rudi Wid­moser so. „Strafen helfen hier nicht, die Menschen müssen umdenken“, sagt Widmoser. Als Lehrer würde er das den Kinder­n näherbringen, bei den Erwachsenen sei es allerdings schwierig.