Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 10.04.2019


Bezirk Landeck

Naturpark Kaunergrat ist auf Expansionskurs im Oberland

Nicht nur ein gewaltiges Landschaftsschutzgebiet ist in Vorbereitung, auch das Steinbockzentrum und die Gletscherausstellung nehmen Gestalt an.

Das Team des Naturparks Kaunergrat rund um Geschäftsführer Ernst Partl (3. v. r.) und Obmann Hans-Peter Bock (sitzend) in der Dauerausstellung des Naturparkhauses, die im vergangenen Jahr erweitert worden ist.

© ReichleDas Team des Naturparks Kaunergrat rund um Geschäftsführer Ernst Partl (3. v. r.) und Obmann Hans-Peter Bock (sitzend) in der Dauerausstellung des Naturparkhauses, die im vergangenen Jahr erweitert worden ist.



Von Matthias Reichle

Fließ – Naturpark-Geschäftsführer Ernst Partl tanzt derzeit gleich auf mehreren Hochzeiten. Da wäre das 3,6 Mio. Euro teure Steinbockzentrum in St. Leonhard, das derzeit gebaut wird, die neue Gletscherausstellung im Quellalpin, die sich in Planung befindet, und natürlich das große neue Landschaftsschutzgebiet am Kaunergrat, zu dem die Vorgespräche laufen. Dazu kommen zahlreiche kleinere Projekte, die bei der 20. Jahreshauptversammlung des Naturparks Kaunergrat präsentiert wurden.

„Das Landschaftsschutzgebiet ist ein Thema, das uns momentan sehr beschäftigt“, betonte Partl. „Es fehlt nicht mehr viel.“ In den neun Naturparkgemeinden soll eine 130 km2 große Kernzone ausgewiesen werden. Bisher fanden neun Infoveranstaltungen für die Grundeigentümer statt – unter anderem stellte Partl das Projekt in den Gemeinderäten der Naturpark-Mitgliedsgemeinden vor. In neun Agrargemeinschaften soll es noch bis Mai präsentiert werden. Dann werde man darauf drängen, die entsprechenden Beschlüsse zu fassen, erklärt der Naturpark-Geschäftsführer. „Momentan haben wir eine hohe Akzeptanz.“

Aber auch das Steinbockzentrum, das derzeit gemeinsam mit der Gemeinde St. Leonhard und dem TVB Pitztal umgesetzt wird, sei etwas, das Zeit braucht, so Partl. Geplant ist die Eröffnung im Juni 2020. Parallel wurde ein Interreg-Kleinprojekt gestartet, im Rahmen dessen die große grenzüberschreitende Steinwildpopulation erforscht werden soll. Ebenfalls im Sommer 2020 wird die neue Außenstelle des Naturparks im Quellalpin im Kaunertal fertig. Dort soll das Angebot um eine neue Gletscher-Ausstellung erweitert werden.

Neben den großen Projekten wird es heuer auch unter anderem Aktivitäten der Klimawandelanpassungsregion KLAR geben, die Revitalisierung des Kauner Weihers steht ebenso an wie die Sanierung des Luis-Trenker-Steigs in der Pitzeklamm. Außerdem ist auch die Betreuung der gefährdeten Trocken- und Halbtrockenrasen wieder Thema.

285.710 Euro wird der Naturpark insgesamt in die Hand nehmen. Erfreulich sei, dass sich immer mehr Schulen für die Institution interessieren. 2018 waren es 80 Klassen mit 1159 Kindern, die die Natureinrichtung besuchten. 2019 sollen mit dem Kindergarten und der Volksschule Leins zwei neue Bildungseinrichtungen das Naturpark-Gütesiegel bekommen. Dass die Verbindung zu den Jüngsten so gut funktioniert, freute besonders den Naturpark-Obmann und Fließer Bürgermeister Hans-Peter Bock. Es sei für den Naturpark ein sehr umfangreiches Jahr gewesen. Ein Thema, das man in Zukunft verstärkt angehen müsse, sei auch die Direktvermarktung von regional erzeugten Produkten.