Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.04.2019


Natur

3000 Kröten bekamen Shuttle-Service

Erstmals wurde für die Laichzeit der Frösche und Kröten bei den Kramsacher Seen ein Amphibienzaun errichtet. 40 freiwillige Helfer rückten mehrmals täglich aus, um die Tiere sicher über die Straße zu bringen.

40 freiwillige Helfer beteiligten sich am Amphibienprojekt und brachten insgesamt 3000 Kröten aus den Kübeln sicher zu ihrem Laichplatz am See.

© Haun40 freiwillige Helfer beteiligten sich am Amphibienprojekt und brachten insgesamt 3000 Kröten aus den Kübeln sicher zu ihrem Laichplatz am See.



Von Florian Haun

Kramsach – Diese Bilanz kann sich sehen lassen: Knapp 3000 Amphibien wurden heuer während der Laichzeit nahe dem Kramsacher Krummsee von freiwilligen Helfern sicher über die Straße gebracht. „Wir haben die wichtigsten Hot Spots, an denen die Amphibien die Straße überqueren, ohne viel Vorwissen passend abgedeckt“, freut sich Schutzgebietsbetreuer Philipp Larch über das Ergebnis. Wie berichtet, wurden im Bereich der Seen entlang der Bundesstraße mit Hilfe der Umweltabteilung des Landes Tirol Anfang März Amphibienzäune errichtet, die die Tiere während ihrer Wanderzeit im Frühjahr vor dem Verkehrstod retten sollten.

Frösche, Echsen und Schlangen plumpsten dabei in Kübel, die von den 40 Freiwilligen mehrmals täglich entleert werden mussten. Besonders an warmen Tagen waren die Kübel randvoll, teilweise wurden an einem einzigen Tag über 500 Frösche gezählt. 99 Prozent der erfassten Amphibien waren Erdkröten, drei Viertel davon Männchen. „Die Weibchen laichen oft nur einmal in ihrem Leben und legen zwischen 2000 und 4000 Eier“, erklärt Larch. Speziell im Krummsee sei man auf besonders viel Laich gestoßen. Den Reintalersee scheinen die Frösche zu meiden, was wahrscheinlich mit den (von Menschen eingesetzten) Aalen, dem fresslustigen Fischbestand und seltenen Teich- sowie Malermuscheln zu tun hat. Auch Mäuse, Käfer und Spinnen verirrten sich in die Kübel. Molche hingegen wurden keine gesichtet, was die Biologen verwundert. 24 Grasfrösche waren unter den „Passagieren“ – laut Larch ungewöhnlich spät für diese Jahreszeit. Auch auf überfahrene Tiere sei man gestoßen, etwas mehr als 130. „Wir müssen realistisch sein, man kann nie die gesamte Strecke abdecken und jedes Tier retten“, zeigt sich der Schutzgebietsbetreuer pragmatisch.

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- Haun

Nachdem die Amphibien Ende März im See abgelaicht hatten, kehrten sie in ihren Sommerlebensraum – den Wald – zurück. Auf dieser Strecke stießen sie wieder auf den Zaun. Am Ende der ersten Aprilwoche wurde der mobile Schutzbau wieder entfernt. Die Kübel wurden mit Schotter gefüllt, damit man sie im nächsten Jahr nicht erneut in der Erde versenken muss. „Da die Daten einer einzigen Saison zu wenig sind, werden wir das mit dem Amphibienzaun sicher die nächsten zwei bis drei Jahre wiederholen“, verkündete der Schutzgebietsbetreuer.

„Unser langfristiges Ziel ist es natürlich, im Zuge von Bauarbeiten eine permanente Verrohrung entlang der Landesstraße zu errichten“, meint die Kramsacher Gemeinderätin und Projektmitarbeiterin Sarah Grießenböck. Mit den gesammelten Daten von heuer könne man den besten Punkt für eine Verrohrung eruieren.

Eine Lösung wird man sich auch für die hungrigen Raben einfallen lassen. Hatten sich diese bisher an den überfahrenen Fröschen bedient, fielen sie heuer auch über lebende Tiere in den Kübeln her.

Außerdem denke man darüber nach, zwischen Juni und Juli einen Zaun aufzustellen, um den frisch geschlüpften Jungkröten auf dem Weg in den Wald helfen zu können.

Helferin Maria Ringler und Schutzgebietsbetreuer Philipp Larch freuen sich über den Erfolg des Amphibien-Projekts.
Helferin Maria Ringler und Schutzgebietsbetreuer Philipp Larch freuen sich über den Erfolg des Amphibien-Projekts.
- Haun