Letztes Update am So, 14.04.2019 10:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klimawandel

Mediziner alarmiert: Klimawandel lockt Mücken und Zecken nach Norden

Der Klimawandel ermöglicht das Vordringen tropischer Mücken nach Norden. Damit steigt die Gefahr für Krankheitserreger wie Dengue-, Chikungunya- oder West-Nil-Viren. Auf einem Kongress erörtern Experten Strategien zum Schutz.

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© APA (dpa/gms/EPA)/Stephen MorrisSymbolbild.



Amsterdam – Durch Mücken oder Zecken übertragene Krankheiten könnten in Europa bald häufiger auftreten. Das Verbreitungsgebiet der Überträger etwa von Dengue-Fieber, Leishmaniose oder Chikungunya vergrößere sich rapide, mahnen Forscher. Über neue Erkenntnisse berichten sie auf dem Europäischen Kongress für klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten (ECCMID) von Samstag bis Dienstag in Amsterdam.

Als Gründe für die Entwicklung nennen Forscher in einer Mitteilung zum Kongress unter anderem den Klimawandel und die zunehmende Globalisierung. Diese Veränderungen ermöglichten es Mücken und Zecken, neue Lebensräume in Europa zu erschließen. In den vergangenen zehn Jahren habe es etwa in Frankreich und Kroatien Dengue-Ausbrüche gegeben, in Griechenland sei Malaria aufgetreten, in Italien und Frankreich Chikungunya und in weiten Teilen Süd- und Mitteleuropas das West-Nil-Fieber. Allein von dieser Erkrankung wurden 2018 in den EU-Mitgliedstaaten mehr als 1.500 Fälle registriert.

Längere Hitzeperioden verlängerten das Zeitfenster für die Ausbreitung solcher Erkrankungen und begünstigten größere Ausbrüche, betonte Giovanni Rezza vom Istituto Superiore di Sanita in Rom. „Wir müssen uns darauf vorbereiten, mit solchen tropischen Infektionen umzugehen.“

Sandmücken-Ausbreitung erwartet

So könnten etwa Sandmücken bis Ende der 2060er-Jahre ihr Verbreitungsgebiet in Frankreich und Deutschland deutlich ausweiten, berichten Experten weiter. Die Mücken können die Erreger der Leishmaniose übertragen.

„Angesichts der anhaltenden Verbreitung von invasiven Mücken und anderen Überträgern in ganz Europa müssen wir Ausbrüche antizipieren und frühzeitig eingreifen“, erklärte Jan Semenza vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Stockholm. Die Gesundheitsbehörden müssten die Überwachung verbessern und Frühwarnsysteme einrichten. (dpa)