Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 18.04.2019


Natur

Naturschutzbund fordert Taten gegen Insektentod

Lebensbedingungen von Wildbienen, Schmetterlingen und Co. müssen verbessert und ihre wertvollen Leistungen für Mensch und Natur erhalten werden.

Wildbienen spielen eine wichtige Rolle bei der Bestäubung.

© Dominik LinhardWildbienen spielen eine wichtige Rolle bei der Bestäubung.



Innsbruck – Bestäubende Insekten sind für den Naturhaushalt ebenso relevant wie für die Sicherung unserer Ernährung. 87 der 109 weltweit wichtigsten Kulturpflanzen hängen von tierischer Bestäubung ab. Experten schätzen den Wert dieser Bestäubung in Österreich auf jährlich 300 bis 650 Millionen Euro.

Vor allem Wildbienen haben hier eine Schlüsselrolle, da ihre Bestäubungsleistung und -qualität durch Honigbienen nicht ersetzt werden kann. Etwa 700 verschiedene Wildbienenarten gibt es in Österreich – noch. Fast die Hälfte davon ist gefährdet. Es fehlt ihnen an Nahrung und Nistmöglichkeiten.

Ganz generell wird den Insekten das Überleben seit Jahrzehnten immer schwerer gemacht. Ausgeräumte Landschaften, häufige Mahd und Bodenversiegelung sind nur einige wenige Gründe für den Rückgang dieser Tiergruppe. Inzwischen wird ein massives Insektensterben offensichtlich, das in der Folge dramatische Auswirkungen auf unser aller Leben haben wird.

Es braucht ein grundlegendes Umdenken und eine neue Wertschätzung für die Natur, um das Verschwinden der Insekten zu stoppen bzw. deren Situation zu verbessern. Der Naturschutzbund Österreich hat sechs Forderungen für Maßnahmen erarbeitet, die die Lebensbedingungen von Wildbienen, Schmetterlingen etc. verbessern und ihre wertvollen Leistungen für Mensch und Natur erhalten sollen:

• Artenreiche Lebensräume und solche mit seltenen Arten erhalten bzw. schaffen;

• Strukturvielfalt in der Landschaft erhöhen;

• Pestizidanwendung in der Land- und Forstwirtschaft auf ein Minimum reduzieren und auf anderen Flächen ganz darauf verzichten;

• Nährstoffeinträge vermindern und auf sensiblen Flächen vermeiden;

• Natur im Siedlungsraum fördern;

• Forschungs- und Bildungs­offensive starten.

„Es braucht dringend mehr Strukturvielfalt und weniger Gift in der Landschaft!“, appelliert Naturschutzbund-Geschäftsführerin Birgit Mair-Markart. „Eine Bestäuberoffensive ist dringend nötig: Vom Konsumenten über den Kleingartenbesitzer bis zu den großen Landnutzern sind alle gefordert. Aber vor allem die Politik muss die notwendigen Vorgaben und Anreize für eine insektenfreundliche Landbewirtschaftung schaffen. Gerade jetzt, wenn die Zukunft der gemeinsamen Agrarpolitik verhandelt wird, muss Österreich eine vielfältige und insektenfreundliche Kulturlandschaft fordern und fördern.“

Weitere Infos: www.naturschutzbund.at (TT)




Kommentieren


Schlagworte