Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.04.2019


Debatte um Wolf-Rückkehr

„Es geht beim Thema Wolf nicht um Entschädigungen“

LK-Präsident Hechenberger kritisiert Alpenzoo-Direktor Stadler. Für ihn führt langfristig kein Weg an der Änderung des Wolf-Schutzstatus vorbei.

Tirols Bauern sehen durch den Wolf die kleinstrukturierte Land- und Forstwirtschaft gefährdet.

© TT/Thomas BöhmTirols Bauern sehen durch den Wolf die kleinstrukturierte Land- und Forstwirtschaft gefährdet.



Innsbruck – Die Rückkehr des Wolfes polarisiert – und so sorgen auch die Aussagen von Alpenzoo-Direktor André Stadler in der TT am Sonntag für Kritik. Stadler hatte gemeint, dass Wölfe und Bären für den Menschen im Wald ungefährlich seien, weil diese den Menschen als Gefahr sehen und die Tiere im Wald das Weite suchten. Für gerissene Schafe gebe es Regelungen, dank denen diese Schäden den betroffenen Bauern zur Gänze abgegolten werden.

Tirols Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Hechenberger kann mit dieser Auffassung wenig anfangen: „Direkt betroffen von der Rückkehr der großen Beutegreifer sind hauptsächlich unsere Bäuerinnen und Bauern. Wenn dann gesagt wird, dass es ohnehin Entschädigungen für gerissene Tiere gebe, kann ich nur den Kopf schütteln. Wer so etwas sagt, hat wenig Ahnung von Landwirtschaft“, so Hechenberger. Vielfach seien die gerissenen Tiere wichtig für die Zucht und ihr eigentlicher Wert liege weit über dem monetären. Dazu komme die emotionale Belastung für die Bäuerinnen und Bauern. „Wenn man die eigenen Tiere qualvoll verendet vorfindet, frage ich mich, ob beim Tierschutz hier mit zweierlei Maß gemessen wird“, meint Hechenberger.

Denn der viel zitierte Herdenschutz ist in Tirol nur bedingt möglich: „Es gibt sicherlich Betriebe, die Herdenschutz probieren werden. Dafür braucht es dann allerdings entsprechende finanzielle Unterstützung. Für einen Großteil kommen aber aufgrund der Struktur weder Zäune noch Hunde in Frage“, ist sich Hechenberger sicher. Für ihn ist auch klar, dass mit der Rückkehr des Wolfes die bestehende kleinstrukturierte Land- und vor allem Almwirtschaft gefährdet ist: „Dass Betriebe übers Aufhören nachdenken, muss allen bewusst sein. Diese Entwicklung sieht man auch in der Schweiz, die uns in Sachen Herdenschutz – staatlich finanziert wohlgemerkt – einige Jahre voraus ist!“ Für Hechenberger führt daher langfristig kein Weg an der Änderung des Schutzstatus vorbei: „Der derzeitige Schutzstatus stammt noch aus einer Zeit, wo sich niemand vorstellen konnte, dass der Wolf je in dieser Form zurückkehrt. Insofern muss man sich der Diskussion stellen, ob dieser Status angesichts der raschen Vermehrung noch aktuell ist.“ (TT, np)