Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.05.2019


Bezirk Landeck

Mit veredeltem Abfall den Garten zum Blühen bringen

100.000 Euro Kosten entstehen durch schlecht getrennten Biomüll. Ab 1. Juli wird strenger kontrolliert – und man setzt auf Bewusstseinsbildung.

Bei der Kompost-Verteilaktion: Kinder der NMS Landeck mit Eva Maria Prantauer, dahinter v. l. Bernhard Weiskopf, BM Helmut Ladner, BM Wolfgang Jörg, Eva-Maria Weinseisen, Benno Flatschacher und der Imster Bezirkshauptmann Raimund Waldner.

© ReichleBei der Kompost-Verteilaktion: Kinder der NMS Landeck mit Eva Maria Prantauer, dahinter v. l. Bernhard Weiskopf, BM Helmut Ladner, BM Wolfgang Jörg, Eva-Maria Weinseisen, Benno Flatschacher und der Imster Bezirkshauptmann Raimund Waldner.



Von Matthias Reichle

Landeck – Ein weißer Kübel war gestern der Renner beim Landecker Frischemarkt – gefüllt mit bestem Kompost, wurde er von Jugendlichen der NMS Landeck kostenlos an Passanten verteilt. Das Besondere: Der natürliche Dünger stammt aus heimischer – sprich Roppener – Produktion. „3500 bis 4000 Tonnen werden jedes Jahr in vom Abfallbeseitigungsverband Westtirol hergestellt“, erzählt Betriebsökologin Eva-Maria Weinseisen. Nur etwa die Hälfte davon wird von Gemeinden und Privatpersonen abgeholt. Viele wissen nichts von der Möglichkeit, dass sie „ihren“ Biomüll, der dort verarbeitet wird, in der veredelten Form wieder mitnehmen können. Und zwar kostenlos.

Gleichzeitig ging es aber auch darum, auf ein Problem aufmerksam zu machen: 100.000 Euro Zusatzkosten entstehen jährlich in Roppen, weil beim Biomüll unsauber getrennt wird. Dort landet nicht nur unbeabsichtigt Besteck –„wir könnten inzwischen ein Gasthaus aufmachen“, schmunzelt Weinseisen –, sondern auch viel Kunststoff und Glas. „Es werden noch verpackte Lebensmittel – wie zum Beispiel schimmelnde Äpfel oder Orangen – mit dem Sackl entsorgt.“ Diese Störstoffe müssen erst wieder herausgesiebt werden.

Derzeit hat der Roppener Kompost das höchste Qualitätsgütesiegel – „er kann auch für die biologische Landwirtschaft genutzt werden“, so Weinseisen. Sollte sich die Disziplin aber verschlechtern, könne man das Material irgendwann nur noch zur Deponiebegrünung verwenden.

Seit vergangenem Herbst wird von den Entsorgungsunternehmen besser kontrolliert. Wo schlecht getrennt wurde, hängen Mitarbeiter einen Infoflyer mit einer roten Ampel an den Kübel – „wenn Störstoffe drinnen bleiben, bleibt der Behälter ungeleert stehen. Ich glaube, dass sich die Situation inzwischen verbessert hat“, zog Entsorgungsunternehmer Toni Prantauer Bilanz. Das kann Weinseisen bestätigen – wenn auch nur tendenziell. Inzwischen filtert man statt 1300 nur noch 1200 Tonnen Störstoffe aus dem Biomüll. Man will aber dranbleiben – ab 1. Juli werden deshalb die Kontrollen verschärft. Wo Tonnen aus Kulanz mitgenommen wurden, werde man diese stehen lassen. „Mit ein bisschen Bewusstseinsbildung könne man viel bewegen“, betont auch Helmut Ladner, Obmann der Land­ecker Umweltwerkstatt, mit der die Verteilaktion durchgeführt wurde. „Es ist sinnvoll, wenn sich der Kreislauf hier schließt.“

Statt teuren Kompost aus Holland zu kaufen, der durch halb Europa transportiert wurde, appellierte Umweltwerkstatt-Geschäftsführer Bernhard Weiskopf dafür, das Angebot künftig verstärkt wahrzunehmen. „Wir haben hier ein Top-Produkt“, unterstrich er. „Sympathisch“ fand Land­ecks Bürgermeister Wolfgang Jörg die Aktion – „wenn man sieht, wie viele Kübel mitgenommen werden“. Innerhalb von drei Stunden waren 300 Stück weg. Ein Container stand auch beim Bauhof bereit, für all jene, die mehr benötigten. Insgesamt wurden zehn Tonnen unters Volk gebracht.

Man wolle die Aktion auf andere Gemeinden ausweiten und vor allem in der Vegetationsphase regelmäßig Kompost verteilen, so Weiskopf. Für Ried hatte Bürgermeister Elmar Handle bereits eine Lieferung bestellt. Sie soll demnächst eintreffen.