Letztes Update am Di, 04.06.2019 11:59

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Studie

Bienensterben: Forscher bewiesen fatalen „Kombi-Effekt“

Eine Kombination aus Insektiziden und dem Befall mit der Varroa-Milbe ist für Honigbienen besonders schädlich. Forscher konnten einen bisher unbekannten Mechanismus nachweisen, der die hohen Verluste an Bienenvölkern erklären kann.

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© Thomas Böhm/TT(Symbolfoto)



Bern – Zwei Stressfaktoren setzen Bienen zu: Insektizide und die Varroa-Milbe. Eine Kombination dieser beiden Faktoren ist besonders bedrohlich, haben Forscher des Instituts für Bienengesundheit der Universität Bern und des Honigbienen-Forschungsnetzwerks COLOSS belegt.

Seit Längerem wurde vermutet, dass ein Zusammenwirken von verschiedenen Stressfaktoren hinter den hohen Verlusten von Honigbienenvölkern in den vergangenen Jahren stehen könnte. Daten, die einen „Kombi-Effekt“ belegen, gab es aber nicht. Die Forscher der Universität Bern und weiterer Universitäten in den USA und Thailand haben nun einen bisher unbekannten Mechanismus nachweisen können, der die erhöhten Verluste an Bienenvölkern erklären kann. Ihre Ergebnisse haben die Forschenden in den „Scientific Reports“ publiziert, dem Open-Acess-Journal der Fachzeitschrift „Nature“.

Winterbienen besonders stark betroffen

Die Forscher behandelten Arbeiterinnen in Honigbienen-Kolonien mit zwei ausgewählten Insektiziden, sogenannten Neonikotinoiden. Diese hatten keinen Einfluss auf Gewicht und Langlebigkeit der Bienen, wie aus einer Mitteilung der Universität Bern vom Dienstag hervorgeht. Sobald allerdings ein Befall mit der Varroa Milbe hinzukam, konnte ein schädliches Zusammenwirken der beiden Faktoren nachgewiesen werden.

Besonders die langlebigen Winterbienen waren davon betroffen. Sie werden im Herbst geboren, um das Überleben der Kolonie im Winter zu sichern. Der negative „Kombi-Effekt“ führte nicht nur zu einer kürzeren Lebenszeit der Winterbienen-Arbeiterinnen, sondern auch zu einer reduzierten Körpergröße. Diese ist jedoch entscheidend dafür, wie gut die Winterbienen ihre Körpertemperatur gegen die Kälte verteidigen können.

Forscher mit dringendem Appell an Landwirtschaft

Die Forscher plädieren für nachhaltige Lösungen in der Landwirtschaft. „Ein reduzierter Einsatz von Insektiziden sowie eine verbesserte Kontrolle der Milbe Varroa destructor sind dringend erforderlich“, sagte Lars Straub, Erstautor und Post-Doktorand am Institut für Bienengesundheit.

Die westliche Honigbiene Apis mellifera ist mit Abstand der wichtigste, von Menschen gehaltene Bestäuber. In den vergangenen Jahren kam es weltweit zu hohen Verlusten von Honigbienenvölkern.

Die Varroa Milbe stammt ursprünglich aus Asien, wo sie die Östliche Honigbiene befällt. Nach einem Wirtswechsel auf die Westliche Honigbiene wurde sie weltweit zur gefährlichsten biotischen Bedrohung der Honigbienen. (APA/sda)