Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.06.2019


Bezirk Reutte

Gefluteter Schacht in Biberwier wird erforscht

Ergebnisse aus Biberwier sollen weltweit helfen, Umweltschäden zu vermeiden.

Geologe Christian Wolkersdorfer bei Untersuchungen am Nikolaus-Bader-Schacht. Dieser soll jetzt neue Erkenntnisse liefern.

© WolkersdorferGeologe Christian Wolkersdorfer bei Untersuchungen am Nikolaus-Bader-Schacht. Dieser soll jetzt neue Erkenntnisse liefern.



Biberwier – Nikolaus Bader aus Lermoos schürfte in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts im Außerfern nach Erzen. Neben Blei-, Kupfer-, und Zinkerzen erschloss er von 1933 bis 1948 auch ein Goldvorkommen in der Nähe von Biberwier. Zur Erkundung legte er zahlreiche Schurfschächte und Stollen an. Das Goldvorkommen war jedoch unwirtschaftlich und so wurde es rasch wieder ruhig um den dortigen Bergbau.

Dies wird sich diesen Freitag ändern. Zwar wird die Suche nach Gold nicht wieder aufgenommen, aber Wissenschafter aus Deutschland und Südafrika werden ihren eigenen Schatz dort suchen. Die Technische Hochschule Georg Agricola Bochum und die Tshwane University of Technology Pretoria/Südafrika erforschen im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts „Forum Bergbau und Wasser“ den gefluteten Nikolaus-Bader-Schacht nahe dem Mittersee.

Derzeit steht das Wasser im zirka 10 Meter tiefen und 1,5 Meter breiten Schacht bis zur Geländeoberkante. Seit die TU Bergakademie Freiberg 2004 ein kontinuierliches Temperaturprofil aufgenommen hat, ist eine im Schacht vorhandene Dichteschichtung bekannt. Dies bedeutet, dass Wassermassen mit unterschiedlicher Temperatur und Dichte übereinanderliegen. Das wärmere oberflächennahe Wasser ist spezifisch leichter als das kältere Tiefenwasser. Die Temperatur schwankt zwischen 0,5 und 13,9 Grad Celsius.

Mit den jetzigen, neu geplanten Untersuchungen sollen Erkenntnisse über den Einsatz von Dichteschichtung als mögliche Sanierungsmaßnahme für stillgelegte und geflutete Bergwerke gewonnen werden. Beide Universitäten erhoffen sich, dass die Ergebnisse aus dem Außerfern künftig auf der ganzen Welt verwendet werden können, um Umweltschäden durch geflutete Bergwerke zu vermeiden.

Mithilfe einer Pumpe wird der Schacht leergepumpt, dann mittels 3D-Scanners vermessen und zuletzt der Wiederanstieg des Grundwassers beobachtet. „Wir haben im Ruhrgebiet bis zu 1800 Meter tiefe Schächte. Diese zu untersuchen ist schwierig. Also haben wir den Maßstab heruntergebrochen und erhoffen uns von den Ergebnissen in Biberwier Erkenntnisse über den natürlichen Aufbau der Dichteschichtung“, erklären die Forscher Christian Wolkersdorfer und Elke Mugova. Erste Ergebnisse werden Ende des Jahres erwartet. (TT, fasi)