Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 11.06.2019


Bezirk Kitzbühel

Bei den Bauern geht die Angst vor dem Wolf um

Forum Land und Tiroler Bauernbund informierten in Hopfgarten über die aktuelle Situation. Es werden wolffreie Zonen gefordert.

Die Verbreitung der Wölfe im Alpenraum wird von den Landwirten nicht gerne gesehen.

© TT/Thomas BöhmDie Verbreitung der Wölfe im Alpenraum wird von den Landwirten nicht gerne gesehen.



Von Brigitte Eberharter

Hopfgarten i. Br. – Die Wolfsbestände im Alpenraum werden immer größer und in vielen Regionen bereitet dies bereits Probleme. Es ist eine Frage der Zeit, wann einer den Brenner überquert oder von der Schweiz her nach Nordtirol kommt. Forum Land und der Tiroler Bauernbund haben daher zur Information in die Salvena in Hopfgarten eingeladen.

Siegfried Rinner ist Bauernbunddirektor in Südtirol und er schildert die Situation in seiner Heimat. „Wir wollen den Wolf keinesfalls ausrotten, aber wir fordern wolffreie Zonen im Alpenraum“, so Rinner. 13 Wölfe, meist Einzeltiere, gibt es in Südtirol, aber diese machen enormen Radau. Immer wieder werden Schafe und Ziegen gerissen, das Bejagen ist allerdings nicht erlaubt. Für ihn stellt sich die Frage, ob der Wolf flächendeckend in Europa vorhanden sein muss. Etwa um 1870 wurde der Wolf in Tirol ausgerottet, weil man gesehen hat, dass ein Miteinander auf so engem Raum nicht möglich ist. Dass das Herdenschutzprogramm, so wie es derzeit vorgesehen ist, keine wirkliche Hilfe ist, das weiß man bereits aus der Schweiz und aus Frankreich. Im Appenzellergebiet in der Ostschweiz gibt es 47 Wölfe und diese haben im Vorjahr 517 Tiere gerissen. „Derzeit beträgt die Zuwachsrate bei den Wölfen rund 20 Prozent im Jahr. Wenn jedoch die Rudel stabil werden, dann muss man mit einer wesentlich höheren Reproduktion rechnen“, sagt Rinner.

Die Wölfe sind genetisch so programmiert, dass sie nicht nur jene Tiere reißen, die sie brauchen, um ihren Hunger zu stillen. So lange sich irgendetwas bewegt in der Herde, wird zugebissen, und aus diesem Grund verzichten etliche Bauern heuer bereits darauf, ihre Schafe und Ziegen auf die Almen zu bringen. Ein Drittel der Pflanzen auf den Almen gibt es dort allerdings nur, weil eine Beweidung und Bewirtschaftung stattfindet. Die EU zahlt einerseits hohe Förderungen, um diese Bewirtschaftung aufrecht erhalten zu können, andererseits macht der Wolf dies wieder zunichte.

„Wir finden in der Politik keine Mehrheit, um den Schutzstatus des Wolfes abzuschwächen“, weiß auch NR Hermann Gahr. Da im Jahr 1995, also bei den Beitrittsverhandlungen mit der EU, der Wolf in Österreich kein Thema war, hat man sich auch keine Sonderrechte ausbedungen, so wie manche andere Länder das getan haben. Aus der Schweiz weiß man, dass jeder Wolf den Steuerzahler im Jahr 100.000 Euro kostet, in Frankreich sind es gar 150.000. Dies resultiert aus dem Wolfs-Monitoring – der Beobachtung, wo sie sich aufhalten –, dem Herdenschutz, Entschädigungszahlungen an die Bauern und dergleichen.

„Wir wollen keine Zahlungen. Uns tun unsere Tiere leid, die grausamst hingerichtet werden“, sagt Kammerpräsident Josef Hechenberger. Auch die Herdenschutzhunde seien keine Lösung im Tourismusland Tirol. Diese Hunde sind dazu ausgebildet, dass sie ihre Herde verteidigen, und da kann es durchaus zu Kollisionen mit Bikern und Wanderern kommen. Man wünscht sich daher die Unterstützung des Tourismus und der Gemeinden. Hechenberger betonte aber auch, dass man keinesfalls Panik verbreiten will, aber im Oberland gibt es bereits vereinzelte Wolfssichtungen, und deshalb hieße es jetzt handeln. Gahr weiß, dass es im Waldviertel Gebiete gibt, wo sich Menschen nicht mehr allein in den Wald trauen, weil am nahen Truppenübungsplatz Wolfsrudel angesiedelt sind.

Verantwortlich dafür, dass der Wolf einen so hohen Stellenwert in der Bevölkerung hat, sehen die Bauernvertreter vor allem die Arbeit der NGOs. „Für sie ist der Wolf das Tier, das ihnen am meisten Spenden einbringt“, sagt Gahr. Rinner betont, dass rund 30 Prozent der Wölfe in Europa so genannte Hybriden sind, also eine Mischung aus Wolf und Hund. Will man den Wolf schützen, dann muss man dafür sorgen, dass er sich nicht mit dem Hund kreuzen kann, was durch die Enge im Alpenraum ermöglicht wird.