Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 12.06.2019


Bezirk Reutte

Aufregung an der Loisach: „Passen‘S auf, der Biber holt‘n Hund“

Spezielle Biber-Erdbaue an der Loisach sind mit freiem Auge nicht erkennbar. Die aktuelle Population wird von Biberexpertin Caroline Winklmair im Ehrwalder Becken schon auf 16 Tiere geschätzt.

Biber-Erdbaue an der Loisach sind für Laien nicht zu sehen.

© Mittermayr HelmutBiber-Erdbaue an der Loisach sind für Laien nicht zu sehen.



Von Helmut Mittermayr

Ehrwald – Eine Episode zwischen Hund und Biber im Ehrwalder Moos hat Wellen geschlagen. Wie berichtet, war am Donnerstag vor Pfingsten eine Schäferhündin in den frühen Morgenstunden, als sie bis zum Bauch in die Loi­s­ach hineingesprungen war, von Bibern zweimal unter Wasser gezogen und gebissen worden. Ein Tierarzt musste den armen Hund nähen.

Für die Außerferner Biberbeauftragte Caroline Winklmair ist der Vorfall zwar ungewöhnlich, aber durchaus nachvollziehbar: „Im Mai und Juni kommen die Jungtiere zur Welt. Wenn hier ein Hund zu nahe Richtung Bau schnuffelt, kann es leicht sein, dass die Biber ihren Nachwuchs verteidigen.“ Normalerweise würden sie wegschwimmen und das Weite suchen. Angriff sei wirklich die allerletzte Option. Winklmair erklärt weiter, dass die Jungtiere die ersten drei Wochen nach der Geburt noch nicht so weit seien, den Bau verlassen zu können. Wenn dann ein Hund dem Bau zu nahe komme, könne es zur Eskalation kommen. Und ein Biber wiege bis zu 20 Kilogramm. Wer einmal erlebt habe, wie eine Katze ihren Wurf gegen einen Hund verteidigen kann, mag sich das beim viel größeren Biber gar nicht ausmalen.

Die meisten Menschen würden an der Loisach einen Biberbau gar nicht registrieren, sagt Winklmair. Denn sie würden nicht das klassische Aussehen, wie man es von Natur-Dokus kennt, haben. Die Biber würden dort Erdbaue, die gänzlich in der Erde der Böschung liegen, errichten. Auch so genannte Mittelbaue, teilweise in der Erde liegend, mit Holzaufbau, wären möglich und kaum wahrnehmbar. Gut erkennen könne sie ein Fachmann eigentlich nur im Winter anhand eines Luftlochs, was ein Hund natürlich orten könne.

Biberexpertin Winklmair mahnt die ausgeschilderte Leinenpflicht ein.
Biberexpertin Winklmair mahnt die ausgeschilderte Leinenpflicht ein.
- Caroline Winklmair

Im Ehrwalder Becken zählen die beiden Außerferner Biberbeauftragten fünf Reviere. Die Population sei pro Revier im Schnitt mit 3,3 Tieren hochzurechnen. Von fünf- bis zweiköpfig, je nach Bau. An der Loisach dürften sich also 16 Biber im Wasser tummeln. Laut Winklmair informieren mehrere „Hunde-Biber“-Tafeln der Gemeinden Ehrwald, Lermoos und Biberwier sowie der Bergwacht, die an den Hundesackerlstationen im Ehrwalder Becken angebracht sind, darüber, dass die Vierbeiner „bitte an die Leine zu nehmen sind“.

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Der Reuttener Tierarzt Hans Pfleger hat den Hund zusammengenäht: „Er hatte auf zwei Seiten erhebliche Bissverletzungen bis tief in die Muskulatur hinein.“ Mittlerweile sei alles gut überstanden, weiß er vom Besitzer. Die Schäferhündin würde beim täglichen Spaziergang mit dem Herrl nun einen Riesenbogen um die besagte Stelle schlagen.

Inzwischen tragen sich auch schon humorig-komische Situationen zu. Ein völlig unbeteiligter Ehrwalder Hundebesitzer war wenige Tage später mit seinem Wuffi ebenfalls auf einem Spazierweg im Moos unterwegs. Aufgeregt kam ein deutscher Urlauber auf ihn zu: „Halt, nicht weiter! Wissen Sie denn nicht, welcher Ge- fahr Sie sich hier aussetzen?“ Der Einheimische vermutete schon, worum es gehen würde, stellte sich aber ahnungslos. Der Deutsche weiter: „Passen Sie ja auf, sonst holt der Biber Ihren Hund.“