Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 20.06.2019


Bezirk Imst

Leonhardsbach in Roppen: Erster Schritt zur Zähmung eines Wilden

Politische Vertreter und die Wildbach- und Lawinenverbauung feierten die Fertigstellung der Schutzmaßnahmen am Unterlauf des Leonhardsbachs. Die historische Bogensperre wurde verstärkt.

© ReichlePolitische Vertreter und die Wildbach- und Lawinenverbauung feierten die Fertigstellung der Schutzmaßnahmen am Unterlauf des Leonhardsbachs. Die historische Bogensperre wurde verstärkt.



1891 hat er ein Haus so tief vermurt, dass die Besitzer einfach aufgebau­t haben — und aus dem Erdgeschoß der Keller wurde. Danie­l Kurz, Gebietsbauleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung, kennt die Geschichte des Leonhardsbachs nur zu gut. Seit 1885 sind dessen Umtriebe dokumentiert: Er hat Häuser zerstört, Züge verlegt und ist regelmäßig ins Roppener Zentrum eingefallen. Als „schlafenden Riesen" bezeichnet ihn BM Ingo Mayr. Wenn er nämlich aufwacht und übergeht, sind über 40 Gebäude betroffen. 18 davon liegen ganz oder zum Teil in der roten Zone.

Alle, denen er im Nacken sitzt, können nun aber wieder etwas aufatmen. 2015 startete die Wildbach- und Lawinenverbauung ein großes Schutzprojekt — der erste Abschnitt ist fertig und wurde gestern gefeiert. Rund drei Millionen der geplanten Gesamtinvestitionen von 8,7 Mio. Euro wurden inzwischen ausgegeben. „Man hat hier Alt und Neu kombiniert", betonte WLV-Sektionsleiter Gebhard Walter. So manches der bestehenden Schutzbauwerke am Wildbach hat inzwischen über 100 Jahre auf dem Buckel. Nun wurden zwei alte Geschiebe­rückhaltesperren im Unterlauf verstärkt bzw. erweitert. Zudem wurde ein neun Meter hohes Einlaufbauwerk errichtet, wie Projektleiter Marcus Bergwanger erklärte. Auch im Oberlauf, auf 2000 m Seehöhe, wurden bereits drei neue Sperren gebaut, weitere folgen. In sieben bis acht Jahren soll das Gesamtprojekt abgeschlossen sein. „Die Zukunft wird nicht einfacher", betont Landesrat Josef Geisler angesichts vergangener Mur-Katastrophen. „Wir merken, dass die Ereigniss­e stärker werden." (mr)