Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 21.06.2019


Kufstein

Stadt, Land, Fluss: Biber gehen auf Wanderschaft

Dass Biber mitten durch die Stadt laufen, ist selten, zuletzt aber in Kufstein und Innsbruck passiert. Für die ungewöhnliche Begegnung gibt es Gründe.

Nächtliche Begegnung am Inn: Zwischen Wendlinger- und Innbrücke traf eine Kufsteinerin vor wenigen Tagen auf diesen Biber. Der Nager verhielt sich ruhig und wartete ab, bis die Fotografin weiterging.

© LechnerNächtliche Begegnung am Inn: Zwischen Wendlinger- und Innbrücke traf eine Kufsteinerin vor wenigen Tagen auf diesen Biber. Der Nager verhielt sich ruhig und wartete ab, bis die Fotografin weiterging.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Wer in jenem Moment mehr erschrak, ist schwer zu sagen. Fest steht: Die nächtliche Begegnung, die Martina Lechner vor wenigen Tagen in Kufstein machte, war für sie so unglaublich, dass sie den Moment mit der Handykamera festhielt. Am nördlichen Inn-Spazierweg, wenige Meter vom Bahnhof entfernt, watschelte ein Biber entlang. „Erst hatte ich einen Schreck, da ich weiß, dass der beißen kann“, sagt Lechner im Gespräch mit der TT. Die Kufsteinerin passierte das pelzige Tier. „Er hat mir zugesehen und blieb still sitzen, bis ich ihn nicht mehr sah.“

Auch in Innsbruck traf eine Seniorin unlängst bei der Kettenbrücke auf einen der Nager. „Die Dame ‚geleitete‘ das Tier dann wieder zurück zum Inn“, schildert Biberbeauftragte Monika Eder-Trenkwalder. Biber kämen zwar immer mehr in Bedrängnis, weil ihr natürlicher Lebensraum von Menschen verbaut wird. Dass sie nun aber vermehrt Einzug in dicht besiedelte Städte wie Innsbruck oder Kufstein halten, sei unwahrscheinlich. „Die Tiere dürften eher fälschlicherweise auf einen Weg geraten sein, wo sie normalerweise nicht sind“, erklärt die Expertin.

Zwei Jahre lang dürfen Jungtiere den Luxus im Hotel Mama & Papa genießen, bevor sie sich auf die Suche nach einer neuen Heimat begeben müssen. Dabei kreuzen sie oft fremde Reviere. „Biber sind aber sehr friedfertige Wesen“, so Eder-Trenkwalder. Um Kämpfe zu vermeiden, nehmen sie dafür oft Umwege in Kauf – und landen mitunter in der Stadt.

Begegnen sich Mensch und der wasserliebende Säuger wird Letzterer zwar für gewöhnlich die Flucht ergreifen. Doch mit ihrem auf Aquadynamik ausgelegten Körper können sich die Tiere an Land nur schwer fortbewegen. Vor Angriffen brauche man sich also nicht fürchten. Vorfälle, wo Hunde in Streit mit Bibern geraten (wie unlängst in Linz), gebe es allerdings immer wieder, erklärt Wilfried Nairz, Biberbeauftragter des Bezirks Kufstein. „Der Biber ist kein Kuscheltier“, appelliert der Landesbedienstete an Sportler und Badegäste. Im Bereich der Brandenberger Ache werde man nächste Woche Hinweisschilder aufstellen, die dazu aufrufen, Hunde auch beim Schwimmen in der Ache an die Leine zu nehmen. Immer wieder gebe es dort Bibersichtungen.

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Jetzt im Juni begeben sich nicht nur die zweijährigen Jungtiere auf Wanderschaft, auch der nächste Nachwuchs erblickt das Licht der Welt. Ein ungünstiger Zeitpunkt, wenn man bedenkt, welch reißende Fluten das Hochwasser vergangene Woche mit sich gebracht hat. Einige Bauten dürften den Wassermassen nicht standgehalten haben. Wie viele Biber es erwischt hat, könne man derzeit noch nicht sagen, so Nairz. „Die Pegelstände sind immer noch sehr hoch. Erst in knapp einer Woche können wir nachschauen.“ Allein im Bezirk Kufstein gibt es an die 60 Reviere, in Kitzbühel kümmert sich Beauftragter Philipp Larch um ca. 20 Gebiete. Die geschützte Art sei extrem wichtig für die Artenvielfalt, betont Larch. „Wo Biber Dämme machen, siedeln sich seltene und geschützte Tierarten wieder an.“