Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 23.06.2019


Tirol

Bambi-Rettung schlägt voll ein: Angebot soll ausgebaut werden

Zahlreiche Bauern, Jäger und Freiwillige haben sich nach dem TT-Bericht über die Rehkitz-Rettung von Manuela Prantl gemeldet. Die Pitztalerin will das Angebot ausbauen.

Ein gerettetes Kitz.

© irenebambiEin gerettetes Kitz.



Von Irene Rapp

Innsbruck – Manuela Prantl aus Wenns im Pitztal hatte in den vergangenen Tagen viel zu tun. Genau gesagt in den frühen Morgenstunden. Denn um diese Zeit ist der Einsatz ihrer Drohne mit Wärmebildkamera am effektivsten. Diese fliegt in einer Höhe von 50 bis 80 Metern über ein Feld und zeigt mögliche Kitze an, die von den Muttertieren abgelegt worden sind.

„In sieben Tagen haben wir 19 Kitze gerettet“ erzählt Prantl voller Freude von Einsätzen u. a. in Umhausen, Kappl, Stams und Imst. Gerettet vor einem schrecklichen Tod: „500 bis 700 Rehkitze sterben pro Jahr in Tirol den Mähtod“, vermutet Landesjägermeister Anton Larcher. Wobei die Dunkelziffer viel höher ist und die Tiere oft gar nicht sofort sterben, sondern ihnen z. B. Läufe weggeschnitten werden.

Weil Prantl, die in Wenns ein Tierheim betreibt, immer wieder derart verstümmelte Kitze zur Pflege bekam, beschloss sie zu handeln. Sie kaufte eine Drohne samt Wärmebildkamera, ihr Mitarbeiter Bruno Perktold besitzt die Berechtigung, das Teil zu steuern. Der TT-Bericht über ihre Initiative löste dann ein großes Echo aus. „Es haben sich zahlreiche Bauern und Jäger gemeldet. Wir haben viele tolle Menschen kennengelernt, denen die Tiere ein Anliegen sind“, erzählt Prantl.

Besitzer von Drohnen meldeten sich ebenfalls. Prantl plant daher, die Wärmebildkamera zu verleihen, um eine Bambi-Rettung auch in anderen Bezirken zu ermöglichen.

Nach einer Testphase im Vorjahr hat der Landesjägerverband heuer ebenfalls eine entsprechend ausgestattete Drohne im Einsatz. Und auch in diesem Fall melden sich laufend Interessierte. „Unsere drei Wildbiologinnen dürfen die Drohne bedienen, wir haben schon einige Tiere retten können“, erzählt Larcher. Zwar gebe es andere Maßnahmen, um den Mäh-Tod von Kitzen zu verhindern, „die Drohne ist allerdings eine sehr effiziente Methode, weil dadurch jedes Tier gefunden wird“, sagt Larcher. Die Besonderheit neugeborener Kitze wird ihnen nämlich beim Mähen zum Verhängnis: Sie laufen nicht davon, sondern kauern sich ins Gras.

Das hilft ihnen in den meisten Fällen vor Fressfeinden, weil sie keinen Eigengeruch haben und deswegen nicht gerochen werden können. Allerdings hilft es nicht, wenn Landwirte mit ihren Mähwerken unterwegs sind.

Deshalb werden die Tiere mit einem Karton überdeckt und dieser markiert, sodass der Bauer rundherum mähen kann. Oder man trägt sie mit viel Gras, um die Übertragung des menschlichen Geruchs zu verhindern, aus dem Feld. Außerhalb wird es sofort von der Mutter gefunden. „Die Goaß holt ihr Kitz schon ab“, sagt Larcher. Ein im Gras liegendes Bambi sei daher nicht krank oder alleingelassen, sondern warte nur darauf, abgeholt zu werden.

Bauern, die sich bei Prantl melden, zahlen übrigens nichts für den Einsatz. „Sponsoren sind aber gerne willkommen“, sagt die Pitztalerin. Für die Drohne des Landesjägerverbandes zahlt der jeweilige Jagdpächter einen kleinen Unkostenbeitrag.

Über Manuela Prantl fliegt die Drohne mit Wärmebildkamera.
Über Manuela Prantl fliegt die Drohne mit Wärmebildkamera.
- Thomas Boehm / TT



Kommentieren


Schlagworte