Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 24.06.2019


Exklusiv

Giftspinne in Tirol: Schwarze Witwe am Wattenberg entdeckt

Wie Aufnahmen dokumentieren, hat es sich eine hierzulande nicht heimische Giftspinne im Unterland gemütlich gemacht.

Dieses Tier hat Björn Wiedenhofer am Wattenberg entdeckt.

© WiedenhoferDieses Tier hat Björn Wiedenhofer am Wattenberg entdeckt.



Von Nikolaus Paumgartten

Wattenberg — Es ist nicht das erste Mal, dass Björn Wiedenhofer so ein Schnappschuss gelungen ist. In Wattenberg auf rund 1200 Metern Seehöhe im Bereich eines Kanals bei einer Hütte hat er vor gut zwei Wochen eine Spinne fotografiert, die ihrer Zeichnung nach eine Schwarze Witwe sein könnte. Bereits 2016 hatte er ein ähnliches Exemplar mit etwas anderer Musterung an gleicher Stelle abgelichtet. Nachdem er die Aufnahmen dem Leiter des Instituts für Zoologie an der Uni Innsbruck, Thorsten Schwerte, gezeigt hat, steht fest: Die Tiere auf beiden Bildern sind weibliche Schwarze Witwen.

Die Entdeckung bezeichnet Schwerte als eine, der man auf jeden Fall Aufmerksamkeit schenken müsse: „Die Tatsache, dass innerhalb von drei Jahren zwei unterschiedliche Exemplare an gleicher Stelle dokumentiert wurden, spricht dafür, dass die Tiere hier offenbar überwintern und sich vermehren können, wenn sie wirtliche Zustände vorfinden." Einerseits könne dafür der Klimawandel mitverantwortlich sein, der Zoologe geht aber davon aus, dass die Tiere zum Überwintern in die Hütte wandern oder es im Bereich des Kanals auch in der kalten Jahreszeit warm genug bleibt.

Wie die Tiere nach Wattenberg gekommen sind, darüber könne man nur spekulieren. Entweder könnten sie aus einem Terrarium entkommen oder eingeschleppt worden sein. Angesichts der Tatsache, dass das Foto in 1200 Metern aufgenommen wurde und der Brennerpass mit 1370 Metern nur unwesentlich höher ist, sei es auch nicht auszuschließen, dass die Tiere auch von selbst eingewandert sind, meint Schwerte. Wenn das der Fall ist, werde man sich an die Giftspinne hierzulande gewöhnen müssen: „Ich würde vermuten, dass die in Tirol bleibt."

Wer einer europäischen Schwarzen Witwe begegnet, sollte nicht gleich in Panik ausbrechen, rät der Experte. Die Tiere gelten grundsätzlich nicht als aggressiv, wenn sie sich jedoch bedroht fühlen, dann wissen sie sich zu verteidigen, sagt Schwerte. „Es gibt nur sehr wenige dokumentierte Todesfälle. Das Gift der Schwarzen Witwe wirkt auf die Reizleitungen der Muskel. Der Biss dieser Spinne ist daher vor allem eines: sehr schmerzhaft."