Letztes Update am Mi, 26.06.2019 10:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Doch keine Schwarze Witwe: Harmlose Höhlenspinne in Tirol

Die Aufregung war groß, als vor wenigen Tagen am Wattenberg eine große Spinne entdeckt wurde, die von der Innsbrucker Zoologie als Schwarze Witwe identifiziert wurde. Wie sich jetzt herausstellte, war das ein Irrtum.

Dieses Tier hat Björn Wiedenhofer am Wattenberg entdeckt. Es dürfte sich um eine Großen Höhlenspinne handeln.

© WiedenhoferDieses Tier hat Björn Wiedenhofer am Wattenberg entdeckt. Es dürfte sich um eine Großen Höhlenspinne handeln.



Innsbruck, Wattens – Es war ein Foto, das vor einigen Tagen in Tirol für Aufregung sorgte: Björn Wiedenhofer hatte in Wattenberg auf rund 1200 Metern Seehöhe im Bereich eines Kanals bei einer Hütte eine Spinne fotografiert, die ihrer Zeichnung nach einer Schwarzen Witwe glich. Nachdem er die Aufnahmen dem Leiter des Instituts für Zoologie an der Uni Innsbruck, Thorsten Schwerte, gezeigt hatte, gab dieser an, dass es sich tatsächlich um eine Schwarze Witwe handeln könnte. Jetzt stellte sich allerdings heraus: Der Experte hat sich getäuscht, bei der Spinne handelte es sich um eine gewöhnliche und völlig ungefährliche Höhlenspinne (Meta menardi). Diese zählt zu den großen Spinnen Mitteleuropas. Die Männchen erreichen eine Körperlänge von elf bis 13 Millimetern und die Weibchen von 14 bis 17 Millimetern. Der Körper der Spinne ist in der Regel stark glänzend und meist ziemlich dunkel.

Bedauerlicher Irrtum

Schwerte jedenfalls bedauert seinen voreiligen Schluss: Die fotografierte Spinne habe eine ungewöhnliche Färbung aufgewiesen. „Die für eine Höhlen-Kreuzspinne ungewöhnlich rote Farbe verleitete zu dieser schnellen Einschätzung, um eine Gefahr auszuschließen. Eigentlich hätten die gefärbten Beine allen schon eine Schwarze Witwe ausschließen lassen, mein Fehler“, erklärte der Fachmann in einer schriftlichen Stellungnahme. Die Aussage sei fahrlässig gewesen, zumal eine Schwarze Witwe auch sehr gefährlich sei. Tödlich ist der Biss des Tieres jedoch nicht. Schwerte kündigte an, in der kommenden Woche ein Exemplar sammeln zu wollen um die Spinnenart zweifelsfrei bestimmen zu können.

Am Wattenberg hat sich doch keine Schwarze Witwe angesiedelt.
Am Wattenberg hat sich doch keine Schwarze Witwe angesiedelt.
- Leserfoto Björn Wiedenhofer

Kennzeichnend für die Schwarze Witwe sind hell umrandete rote Flecken auf dem Hinterleib. Diese sind in drei Längsreihen angeordnet, von denen die mittlere aus fünf runden bis tropfenförmigen Flecken besteht, die beiden seitlichen Reihen aus je vier Flecken. Diese können manchmal auch miteinander verschmelzen, wodurch sie oft nicht mehr als einzelne Flecken unterscheidbar sind. Das Gift der Spinne ist zwar nicht so stark wie das der eng verwandten Südlichen Schwarzen Witwe (Latrodectus mactans), dennoch gehört sie zu den gefährlicheren Arten. Sie ist nicht angriffslustig. Wer trotzdem gebissen wird, muss mit starken Schmerzen rechnen. (TT.com)