Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 28.06.2019


Tirol

Freude über seltene weiße Fledermaus im Tiroler Oberland

In einer Kolonie im Oberland konnte der Fledermausschutzbeauftragte des Landes eine Fledermausmutter mit äußerst rarer Färbung dokumentieren.

Weißer Sensationsfund: Dieses Weibchen eines Großen Mausohres verblüfft durch seine äußerst seltene Färbungsanomalie.

© VorauerWeißer Sensationsfund: Dieses Weibchen eines Großen Mausohres verblüfft durch seine äußerst seltene Färbungsanomalie.



Innsbruck – Schon seit fast 25 Jahren betreut Anton Vorauer aus Ranggen im Auftrag der Landesregierung die Fledermausbestände Tirols. „Aber so etwas ist mir in all der Zeit noch nicht untergekommen“, berichtet er – und meint damit einen wahren Sensationsfund, den er nun im Zuge der jährlichen Zählungen der Tiroler Fledermausbestände dokumentieren konnte: In einer Kolonie im Tiroler Oberland, im Raum zwischen Telfs und Imst – genauer will Vorauer die Stelle aus Schutzgründen nicht angeben – entdeckte der Experte eine weiße Fledermausmutter mit Jungtier. Konkret handelt es sich um ein weibliches Exem­plar eines Großen Maus­ohres (Myotis myotis) „mit einer höchst unüblichen und seltenen Färbungsanomalie – nicht nur für Tirol, sondern auch für den gesamten europäischen Bereich“.

Die Kontrolle und Zählung der wichtigsten Kolonien bedrohter Fledermausarten im Land zählt zu den Kernaufgaben des Fledermausschutzbeauftragten. Mindestens einmal im Jahr werden dort Muttertiere mit ihrem Nachwuchs gezählt und dokumentiert. Seit Beginn der Aufzeichnungen Mitte der 90er-Jahre „können für einige Arten erfreuliche Bestandstrends nachgewiesen werden“, freut sich Vorauer. So habe sich der besagte Bestand im Oberland, der regelmäßig betreut wird, im Beobachtungszeitraum von über 20 Jahren fast verdoppelt. Und alles in allem lasse sich ein leichter Aufwärtstrend verzeichnen.

Aber das gelte nicht für alle Fledermausbestände, so Vorauer weiter. „In manchen Gegenden ist leider auch ein Rückgang bemerkbar, wie etwa in der Absamer Kolonie, die zu Beginn der Zählungen noch 70 Individuen beherbergte und in der heuer nur mehr sieben Tiere zu verzeichnen waren.“

Gründe für den Rückgang von Fledermäusen können laut Vorauer Umweltgifte sein oder die Zerstörung von Quartieren sowie des Jagdhabitats. So habe das bis Ende der 1970er-Jahre in Europa großflächig ausgebrachte Insektenvernichtungsmittel DDT einen massiven Verlust von Fledermausbeständen verursacht. Und weiterhin gelte, dass der Einsatz bestimmter Mittel (Stichwort: Glyphosat) „dringend überdacht“ werden müsse. Umso erfreulicher seien ungewöhnliche Funde wie die weiße Fledermaus, „eine absolute Rarität, die ihresgleichen sucht“. (TT, md)