Letztes Update am Mi, 10.07.2019 15:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Japan

Neun Hirsche starben in Wildpark an Plastikmüll von Touristen

In der japanischen Stadt Nara sind die gut erhaltenen Tempel und Schreine bekannte Sehenswürdigkeiten. Und auch die freilebenden Sikahirsche sind eine beliebte Touristen-Attraktion. Doch das Verhalten der Urlauber bringt die Tiere zunehmend in ernste Gefahr, die mitunter auch tödlich endet.

Ein Rothirsch. (Symbolfoto)

© dpa/Ronald WittekEin Rothirsch. (Symbolfoto)



Nara – In der bei Touristen beliebten japanischen Stadt Nara schlagen die Behörden Alarm: Innerhalb kurzer Zeit starben mehrere Sikahirsche, nachdem sie Plastikmüll gefressen hatten. Darüber berichtet der britische Guardian.

Seit März wurden in den Mägen von neun verstorbenen Tieren große Mengen Plastikmüll gefunden, erklärte nun eine örtliche Tierschutzgruppe. Es wird vermutet, dass Touristen die als heilig geltenden Tiere gefüttert haben und die Verpackungen anschließend achtlos wegwarfen. Von dem Duft der Verpackungen angelockt, verschluckten die Tiere diese schließlich.

4,3 Kilogramm Plastik verschluckt

Eigentlich gibt es Hinweis-Tafeln, auf denen vermerkt ist, dass die Hirsche nur mit sogenannten Senbei-Snacks (Reiscracker) gefüttert werden dürfen. Diese werden ausschließlich in lokalen Geschäften verkauft und sind nicht in Plastikverpackungen erhältlich.

Experten obduzierten die verstorbenen Sika-Hirsche. Sie fanden in den Tier-Mägen eine Vielzahl an Beuteln und anderen Plastikgegenständen. Einer der Hirsche soll 4,3 Kilogramm Plastik verschluckt haben. Ein Tierarzt erklärte der Nachrichtenagentur Kyodo, dass die Tiere verhungert seien. „Die Hirsche, die starben, waren sehr dünn und ich konnte ihre Knochen fühlen.“ Das Plastik hatte das Verdauungssystem der Tiere beschädigt.

Nara gehört wegen seiner vielen und gut erhaltenen Tempel zu den bekanntesten Ausflugszielen in Japan. Mehrere Tempel und Schreine gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Sikahirsche sind eine weitere beliebte Attraktion bei Urlaubern. Die Tiere gelten als göttliche Boten. 1300 Hirsche leben frei in der Stadt. Seit 1957 stehen sie unter Schutz.

Die Anzahl der Besucher in Nara hat sich seit 2012 verzehnfacht. In der Vergangenheit hatte es bereits Meldungen darüber gegeben, dass die Hirsche Touristen angegriffen hatten, die sie füttern oder Selfies mit ihnen machen wollten. Die Behörden wollen nun mehr Präsenz in der Stadt zeigen, um Touristen auf die Plastik-Problematik hinzuweisen. (TT.com)


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