Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.07.2019


Bezirk Landeck

Bienenseuche zieht Kreise: Sperrzonen sollen helfen

Im Bezirk Landeck wurde bei zehn Imkerbetrieben die Amerikanische Faulbrut nachgewiesen. Mit mehreren Sperrzonen soll die Bienenseuche eingedämmt werden.

(Symbolfoto)

© Thomas Boehm / TT(Symbolfoto)



Von Matthias Reichle

Landeck – Sie befällt die Bienenbrut, löst die Larven auf und hinterlässt nur eine schleimige Substanz – die Amerikanische Faulbrut wird auch Bienenpest genannt. Aktuell bereitet sie den Imkern im Bezirk Landeck große Sorgen.

Die meldepflichtige Seuche wurde bei zehn Imkerbetrieben – neun davon aktiv – nachgewiesen, wie Amtstierarzt Eduard Martin bestätigt. Inzwischen wurden mehrere Sperrzonen eingerichtet – im Kaunertal, im Raum Landeck und in Prutz/Ried. Sie ziehen jeweils einen Drei-KilometerRadius um den Bienenstand mit der Krankheit.

Insgesamt liegen 127 Imker in diesen Kreisen. Um ein Ausbreiten zu verhindern, dürfen keine Bienenvölker die Sperrzonen verlassen und innerhalb des Gebiets nur mit Bewilligung verlegt werden. Gefährlich ist die Krankheit, die einen bakteriellen Auslöser hat, nur für die Bienenbrut. Menschen, aber auch erwachsenen Bienen kann sie nichts anhaben und auch auf die Honigqualität hat sie keine Auswirkungen, wie der Fachmann betont.

Am stärksten erwischt hat es derzeit das Kaunertal. Am 22. Juni gab es in Kauns die erste Information eines Imkers über einen Faulbrutverdachtsfall. Es wurden Proben genommen und eine Sperrzone eingerichtet. „In der folgenden Woche hat es dann vermehrt Meldungen gegeben“, so Martin. Nachgewiesen werden konnte die Seuche dann an sechs Bienenständen, betroffen sind acht Imkerbetriebe. Inzwischen wurden alle 19 restlichen in der dortigen Sperrzone kontrolliert – „ohne Seuchennachweis“, wie der Amtsarzt erleichtert feststellte. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, betont der Obmann des Bienenzuchtvereins Kauns-Kaunerberg-Kaunertal, Meinrad Falkeis. Im Kaunertaler befindet sich ein Schutzgebiet für die seltene Bienenrasse „Braunelle“. Es sei keine Linie verloren gegangen.

Ausgebrochen ist die Krankheit aber auch im Raum Landeck. Dort wurde das Bakterium, das die Krankheit auslöst, bei zwei Betrieben festgestellt – in Fließ und in der Stadt Landeck. Und auch in Prutz/Ried konnte es an einem Standort, der zu einem Kaunertaler Betrieb gehört, nachgewiesen werden. Dort besteht die Hoffnung, dass sich die Seuche nicht verbreitet hat.

In der nächsten Zeit kommen in den Regionen verstärkt Kontrollen auf die Imker zu – die behördlichen Bienensachverständigen überprüfen dabei alle Betriebe in den Sperrzonen. Im Kaunertal ist das bereits abgeschlossen. Im Raum Landeck wurden schon etliche kontrolliert – „auch hier gab es keine nachträglichen Verdachtsmomente“, so Martin. Man sei auf einem guten Weg. Wo ein Verdachtsmoment vorliegt, werde eine Probe gezogen und untersucht, erklärt er. Betroffene Völker, die sehr schwach sind, werden „schmerzfrei getötet“. „Das Meiste werden wir allerdings sanieren“, erklärt Imkermeister Martin Ennemoser von der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Imst, der diesen Prozess in der kommenden Woche im Kaunertal leiten wird. „Es ist eine sehr ansteckende Bienenkrankheit, darum muss man sehr gewissenhaft vorgehen“, so Ennemoser. Die betroffenen Völker werden in der Imkersprache „abgekehrt“, mit dem so genannten „Kunstschwarmverfahren“ übersiedelt und die alten Waben werden verbrannt.

„Wichtig ist, dass wir keine neuen Fälle mehr haben. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr noch abschließen können“, betont der Amtstierarzt. Der Bienenstand muss zwei Monate seuchenfrei bleiben, dann kann die Sperrzone wieder aufgehoben werden. Woher der Erreger kam und wie er sich ausgebreitet hat – „das ist Spekulation“, betont Martin. Die Faulbrut sei nicht neu – „es gibt sie, so lang es Bienen gibt“ – und sie werde immer wieder auftreten.

Die Infokette von Vereins­obleuten, Sachverständigen, Imkern, dem Landesverband und den Gesundheitswarten habe sehr gut funktioniert. Martin lobt dabei auch die Vis-Datenbank, in der alle Bienenstände registriert sind – das habe eine genaue Planung möglich gemacht.




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