Letztes Update am Di, 23.07.2019 07:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Acht weitere tote Schafe: Neue Spur vom Bär im Pitztal

Ein Bauer hat auf rund 2500 Metern Höhe, unweit des so genannten „Halsl“, mehrere tote Schafe entdeckt. In der Nähe eines Kadavers fand er verdächtige Abdrücke im Schnee.

Eine Kamera filmte den Bären Anfang Juni im Pitztal.

© ZOOM.TirolEine Kamera filmte den Bären Anfang Juni im Pitztal.



Von Benedikt Mair

Bei den toten Tieren waren Spuren im Schnee zu sehen. Es sei durchaus möglich, dass diese von einem Bären stammen.
Bei den toten Tieren waren Spuren im Schnee zu sehen. Es sei durchaus möglich, dass diese von einem Bären stammen.
- Josef Wöber

Arzl i. P., Innsbruck – Schon als er mit seiner Frau am vergangenen Samstag zur Herd­e aufstieg, sei ihm etwas komisc­h vorgekomme­n. „63 Schafe habe ich insgesamt aufgetriebe­n. Durch das Ferngla­s hab’ ich nur 54 gesehen“, erzählt Josef Wöbe­r, Schafbauer aus Arzl im Pitztal. Auf der Weide angekommen, die auf etwa 2500 Metern Höhe, unweit des so genannten „Halsl“ am Übergang vom Pitz- ins Kaunertal, liegt, blieben die Tiere verschollen. Nach einiger Zeit des Suchens entdeckte Wöber den ersten Kadaver.

„Vier Schafe habe ich gefunden, fünf sind noch verschwunden“, sagt Wöber. Besonders ein Fund, den der Landwirt in der Nähe des ersten toten Tieres machte, ließ ihn aufschrecken: „Das war auf einem Schneefeld. Wir waren vorsichtig, dass keine Spuren verwischt werden, und tatsächlich fanden wir mehrere Abdrücke“, die Wöber sofort fotografierte und gestern an die Experten in der Tiroler Landesveterinärdirektion weiterleitete. Hat ein Bär die Tiere gerissen? Immerhin wurde einer Anfang Juni im Pitztal von einer Wildkamera fotografiert.

„Aufgrund des starken Verwesungsgrads können wir die Todesursache nicht mehr zweifelsfrei feststellen“, teilte Martin Janovsky, Beauftragter des Landes für große Beutegreifer, gestern in einer Aussendung mit. „Auch die Entnahme von DNA-Proben macht bei diesem Erhaltungszustand keinen Sinn und würde keine verwertbaren Ergebnisse bringen.“ Josef Wöber hatte seine Herde vor mehr als zwei Wochen zuletzt vollständig gesehen. Wie es in der Stellungnahme des Landes weiter heißt, habe der Bauer acht tote Schafe gemeldet.

Auch die Einschätzung der gefundenen Abdrücke im Schnee gestaltet sich schwierig. Janovsky: „Diese sind ebenfalls älter und aufgrund der Schmelzvorgänge kaum noch beurteilbar. Es ist durchaus möglich, dass es sich um Spuren eines Bären handelt.“

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Vielleicht um die Spuren jenes Tieres, welches bereits vor mehreren Wochen auf einer Weide in St. Leonhard im Pitztal drei Schafe gerissen haben soll und wenig später von einer Wildkamera fotografiert wurde? Dies seien reine Spekulationen, betont Martin Janovsk­y, und ließen sich weder bestätigen noch widerlegen.

Wahrscheinlich eine Fälschung ist laut den Experten hingegen ein Foto, das derzeit in sozialen Netzwerken und Messaging-Diensten wie WhatsApp kursiert. Auf der Aufnahme ist ein Bär zu sehen, der über eine Lichtung oberhalb von Pfaffenhofen zu wandern scheint.

Die Schafe waren bereits stark verwest, als sie gefunden wurden.
Die Schafe waren bereits stark verwest, als sie gefunden wurden.
- Josef Wöber