Letztes Update am Mo, 26.08.2019 19:58

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nachhaltigkeit

UNO legt fest: Das müsste sich ändern, um Klimaabkommen zu erfüllen

Forscher haben sechs Bereiche festgelegt, in denen Veränderungen passieren müssten, um das Pariser Klimaabkommen und die UN-Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen. Es sei das umfangreichste, größte Projekt der Menschheit.

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© APA /obs/Constantin FilmSymbolfoto.



Wien – Um die UN-Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und das Pariser Klimaabkommens zu erfüllen, sind tiefgreifende Veränderungen notwendig, die zusätzliche Maßnahmen von Regierungen, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft erfordern. Zu diesem Schluss kommen Forscher im Fachjournal Nature Sustainability, wo sie die wichtigsten Umbrüche in sechs Schlüsselbereichen beschreiben.

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2015 beschlossen die UNO-Mitgliedstaaten die Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für Nachhaltige Entwicklung (SDGs). Zu ihnen gehört, dass kein Mensch mehr in Armut leben oder Hunger leiden darf, dass der Zugang zu Bildung und der Gesundheitszustand verbessert werden, die Diskriminierung von Frauen beseitigt und der Klimawandel bekämpft werden sollen. Im gleichen Jahr wurde im Pariser Klimaabkommen beschlossen, um die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu beschränken.

Sechs Schlüsselbereiche

Aufbauend auf früheren Arbeiten der vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien gegründeten Forschungsinitiative „The World im Jahr 2050“ überlegten die Forscher um US-Wirtschaftsprofessor Jeffrey Sachs, welche Maßnahmen notwendig wären, um die SDGs zu erreichen, und wie ihre Umsetzung organisiert werden könnte. Als Schlüsselbereiche definierten sie „Bildung, Geschlecht und Ungleichheit“, „Gesundheit, Wohlbefinden und Demografie“, „Energiedekarbonisierung und nachhaltige Industrie“, „Nachhaltige Ernährung, Land, Wasser und Ozeane“, „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ sowie „Digitale Revolution für nachhaltige Entwicklung“. In diesen sechs Bereichen seien tiefgreifende, bewusste und langfristige strukturelle Veränderungen bei der Ressourcennutzung, Infrastruktur, in Institutionen, bei Technologien und soziale Beziehungen notwendig, und das in einer relativ kurzen Zeitspanne, konstatieren die Wissenschafter. Während frühere gesellschaftliche Veränderungen, wie die Industrialisierung im Europa des 19. Jahrhunderts, weitgehend unausgerichtet gewesen seien, ist es für die Autoren von entscheidender Bedeutung, dass die Veränderungen nun formal gesteuert werden müssen, um zeitgebundene, quantitative Ziele wie Null-Kohlenstoffemissionen bis Mitte des Jahrhunderts zu erreichen.

Regierung muss handeln

Die Wissenschafter identifizieren in den sechs Schlüsselbereichen konkrete Hebel, die Regierungen betätigen können. So könnten etwa Investitionen in die Landwirtschaft sowohl die Ernährungssicherheit als auch die menschliche Gesundheit verbessern und Klimaschutz ermöglichen. Investition in die Bildung von Kleinkindern wiederum würden das menschliche Wohlbefinden verbessern, die wirtschaftliche Entwicklung steigern und das Bevölkerungswachstum stabilisieren.

Ihre Vorschläge würden einen „integrierten und ganzheitlichen Handlungsrahmen bieten, der die Komplexität reduziert, aber die 17 SDGs, ihre 169 Ziele und das Pariser Abkommen umfasst“, so Co-Autorin Nebojsa Nakicenovic, Exekutivdirektorin der Forschungsinitiative The World in 2050 am IIASA in einer Aussendung. Den Wissenschaftern ist bewusst, dass diese Veränderungen nicht einfach sind: „Tatsächlich ist es das größte menschliche Unterfangen aller Zeiten“, so Co-Autor Johan Rockström vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Wenn die politische Führung jedoch nicht handle, würde dies beispiellosen Risiken für die Stabilität der Gesellschaften und die Erde bedeuten. (APA)