Letztes Update am Di, 27.08.2019 16:49

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tiergarten Schönbrunn

Tigerbabys gestorben: Ursprüngliche Eigentümerin will Entschädigung

Pfleger im Tiergarten Schönbrunn bemühten sich zwei Woche lang um die Jungtiere. Doch alle Bemühungen waren umsonst, teilte der Zoo am Dienstag mit. Die ursprüngliche Eigentümerin hat nun eine finanzielle Entschädigung gefordert.

Vor einer Woche hat der Tiergarten Schönbrunn auf Wunsch der Behörden zwei Tiger-Jungtiere vorübergehend zur Aufzucht übernommen.

© APAVor einer Woche hat der Tiergarten Schönbrunn auf Wunsch der Behörden zwei Tiger-Jungtiere vorübergehend zur Aufzucht übernommen.



Wien – Nach dem Tod der beiden am 8. August durch Behörden aus einer Privatwohnung in Hainburg (Bezirk Bruck a.d. Leitha) geholten Tigerbabys hat die ursprüngliche Eigentümerin der Raubkatzen die Rückgabe der Kadaver sowie eine finanzielle Entschädigung gefordert. Verteidiger Wolfgang Blaschitz kündigte auf APA-Anfrage zudem Anzeigen gegen Tierschützer an.

Die ursprüngliche Eigentümerin der Tigerbabys – nach Angaben von Blaschitz eine von ihm anwaltlich vertretene slowakische Zoo-Besitzerin – „hat jetzt keine Tigerbabys mehr und fragt sich natürlich warum“, sagte der Jurist. Von wem die Frau die Entschädigung begehrt, müsse noch geprüft werden. „Es ist noch zu früh, um das abschließend beurteilen zu können.“

Auch jene Slowakin, in deren Privatwohnung die Raubkatzen entdeckt worden waren, ist eine Mandantin von Blaschitz. Im Namen der 34-Jährigen übte der Rechtsanwalt Kritik am Vorgehen der Tierschützer während der Abholung, wie auch der Kurier online berichtete. „Die haben mit den Tieren Selfies gemacht und ihnen den Daumen in den Mund gesteckt. Es ist nicht auszuschließen, dass das das Immunsystem nicht ausgehalten hat“, befand Blaschitz. Er kündigte Strafanzeigen gegen die Tierschützer an: „Ich werde dafür sorgen, dass sie zur Verantwortung gezogen werden.“ Außerdem forderte der Jurist Aufklärung über die Todesursache der jungen Raubkatzen.

Tiger hatten „schlechten Start ins Leben“

Der Zustand der beiden Tigerbabys, die dem Tiergarten Schönbrunn zur Pflege übergeben worden waren, habe sich plötzlich und unerwartet extrem verschlechtert gehabt, teilte der Zoo zuvor mit. Bei der Ankunft im Tiergarten waren sie erst wenige Tage alt, winzig klein und völlig hilflos. Trotz Rund-um-die-Uhr-Pflege haben es die Tiger-Jungen „leider nicht geschafft“, bedauerten die Zoo-Verantwortlichen. „Am Anfang hat uns ihre Entwicklung noch optimistisch gestimmt“, sagte Zootierarzt Thomas Voracek. „Sie haben brav getrunken und an Gewicht zugenommen.“

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Die Jungtiere hätten einen sehr schlechten Start ins Leben gehabt. „Viel zu früh mussten sie ohne ihre Mutter aufwachsen.“ Die Raubkatzen waren nach einem Hinweis in der Badewanne einer 34-Jährigen in Hainburg (Bezirk Bruck a.d. Leitha) entdeckt worden. Die Frau, die laut ihrer Aussage in der Slowakei Tiger in einer Anlage betreut, gab an, den Jungen sei es zuvor noch schlechter gegangen. Sie habe die Tiere vorübergehend mitgenommen, um sie besser pflegen zu können.

Angeblich seien die Tiger am 1. August zur Welt gekommen, sagte Voracek. „Über alles, was war, bevor sie von uns übernommen wurden, wissen wir aber nichts. Vieles war für uns nicht einschätzbar.“ Schon deshalb wurden sie in einer Quarantänestation untergebracht. Das vom Besucherbereich abgesonderte Gebäude beim Schönbrunner Wirtschaftshof verfügt über Desinfektionsteppiche und -schleusen, eigene Sanitär- und Belüftungsanlagen. Mit dem Leiter des Katzenreviers, der über jahrelange Aufzuchterfahrung verfüge, hatten sie eine permanente Betreuungsperson zur Verfügung.

Zu retten waren die Tiger trotzdem nicht. „Tiere in diesem Alter haben sehr wenig bis keine Reserven“, gab der Zoo-Veterinär im APA-Gespräch zu bedenken. Das eine Junge sei am Samstag überraschend gestorben. Der Zustand des zweiten Tigers habe sich seit der Nacht auf Sonntag immer mehr verschlechtert, trotz intensiver Therapie. „Zuvor hatte er noch getrunken. Es war völlig unerwartet“, schilderte Voracek. Das Jungtier wurde schließlich eingeschläfert. Die Ursachen kann eventuell die pathologische Untersuchung klären.

Prozess gegen Slowakin am 14. Oktober

Die 34-jährige Slowakin muss sich am 14. Oktober vor dem Landesgericht Korneuburg verantworten. Der Frau drohen wegen des Verstoßes gegen Paragraf sieben des Artenhandelsgesetzes bis zu zwei Jahre Haft, teilte ein Gerichtssprecher auf APA-Anfrage mit. Das Gesetz regelt die Ein- und Ausfuhr wild lebender Arten. Tierquälerei wurde bei der Unterbringung in der Privatwohnung nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht festgestellt.

„Es ist sehr traurig, dass es die Tiger nicht geschafft haben. Wir möchten uns beim Tiergarten Schönbrunn und seinem engagierten Team dafür bedanken, dass er die beiden Tiere in seine professionelle Pflege übernommen hat“, sagte der Bezirkshauptmann von Bruck an der Leitha, Peter Suchanek. „Mit dem Ableben der beiden Tigerjungen musste leider gerechnet werden“, meinte der Präsident der Tierschutzorganisation Vier Pfoten, Heli Dungler. „Sie waren schließlich viel zu früh von ihrer Mutter getrennt worden, es fehlten ihnen daher ganz wichtige Grundlagen zur Bildung eines starken Immunsystems.“

Was passiert mit Tieren von Tigerfarm?

Für Dungler stellen sich vor allem Fragen zu jener slowakischen Station, von der die Tiere stammen sollen. „Es muss transparent gemacht werden, wohin letztendlich die vielen Jungtiere, die in der Tigerfarm geboren werden, eigentlich kommen.“ Oft würden in Europa gezüchtete Tiger zunächst als Touristenattraktion missbraucht, dann illegal nach Asien verbracht, wo sie für traditionelle Arzneimittel verwendet würden. Das Züchten und Handeln ist in der EU erlaubt, Vier Pfoten fordert ein Verbot.

Dass Schönbrunn die Jungkatzen zur Pflege vorübergehend aufgenommen hatte, war übrigens eine Ausnahme: „Normalerweise tun wir das gar nicht, aus Sicherheitsgründen für unseren Tierbestand“, erläuterte Voracek. (APA)